Neues von der
„Schweinebande“1
Heuchelei um „grüne“
Gentechnik
B. Ullrich
Kaum war der Jubel über Ilse
Aigners „Nein“ zum Anbau von gentechnisch manipuliertem Mais abgeklungen,
zeigte die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz, daß sie ihre Entscheidung weniger aus Überzeugung als
vielmehr unter dem Druck von unten getroffen hatte. Sie genehmigte 2
Wochen später den Anbau der genmanipulierten Kartoffel Amflora des Konzerns
BASF – sehr zur Freude ihrer CDU-Parteigenossen, die sich über das
Monsantomais-Verbot aufgeregt hatten. Andere fanden den vorgeblichen
Stimmungswandel weniger toll: "Die Union führt
die Menschen an der Nase herum", moniert der stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber. Öffentlich verspreche man, den
Gentechnikmais zu verbieten, hintenrum stimme man aber anders ab. Erst vor
wenigen Tagen, als es in Brüssel um die Zulassung zweier neuer
Gentechnikpflanzen ging, verließ ein Aigner-Beamter den Saal - "weisungsgemäß",
so eine Ministeriumssprecherin, die Position der Bundesregierung habe noch
nicht festgestanden. "Die Regierung wird hier gerade völlig
unglaubwürdig", sagt Thomas Dosch, Präsident von Bioland, dem
größten Öko-Anbauverband in Deutschland.
Dabei braucht man
nur die offizielle Stellungnahme von Frau Aigner zum Thema zu lesen – das
erspart einem das Wundern! Kommentare in Klammern sind NICHT original:
Aus der Stellungnahme von
Ilse Aigner, der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz zur grünen Gentechnik - Meldung vom 13.03.2009
„Schon lange geht es nicht
mehr um die Frage, ob wir die Gentechnik wollen oder nicht. (Erst schafft
man Fakten, dann sagt man, daß es kein Zurück mehr gibt. So funktioniert
die parlamentarische Demokratie!)
Die Frage kann heute nur
noch lauten: In welchen Bereichen wollen wir sie einsetzen? Wo sollten wir
zurückhaltend bleiben? Diese Entscheidung hängt vom Erkenntnisstand der
Wissenschaft ab. Zudem muß jeder Einzelfall beachtet werden. Auch gibt es Unterschiede
zwischen roter, weißer und grüner Gentechnik. Gehen beispielsweise von einem
gentechnisch hergestellten Arzneimittel Risiken aus, kann es sofort vom Markt
genommen werden. (Sofort – ist gut. Zunächst einmal muß etwas passieren, muß
jemand geschädigt werden.) Merkmale gentechnisch veränderter Pflanzen, die
auf andere Kulturpflanzen oder Wildpflanzen übertragen wurden, lassen sich
möglicherweise nicht mehr zurückholen. Gerade deshalb, brauchen wir neben der
Anwendungsforschung vor allem die Sicherheitsforschung. Und wir brauchen eine
Differenzierung zwischen Forschung, Kennzeichnung und Anbau.
... Gerade weil wir nicht
wissen, was wir künftig wissen werden, brauchen wir auch in diesem Bereich die
Forschung. Zudem sollten wir dieses Feld nicht anderen überlassen - und uns
dann möglicherweise dennoch mit den aus dieser Forschung resultierenden
Produkten konfrontiert sehen. Wir brauchen gesichertes Wissen und dürfen uns
nicht auf die Angaben der Hersteller verlassen. (Es gibt schon jede Menge
Studien zu den Schäden, die GVO anrichten, in Tieren und in der Umwelt. Die muß
man nur zur Kenntnis nehmen wollen!)
Kennzeichnung
Gentechnisch veränderte Produkte sind heute bereits in großem Maße auf dem
Markt. Hinsichtlich ihrer Ernährung möchten die Verbraucherinnen und
Verbraucher aber Klarheit. (Falsch, Frau Aigner, wir wollen Sicherheit – und
zwar vor dem Gendreck. Fragt doch mal das Volk, ob es lieber Nahrungsmittel MIT
oder OHNE will!) Wir haben die nationale Regelung zur
„Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung überarbeitet. Futter- und Lebensmittel dürfen
keine gentechnisch hergestellten Bestandteile enthalten, wenn sie eine solche
Kennzeichnung tragen. Es liegt jetzt an den Lebensmittel-Unternehmen und dem
Handel, von diesen neuen Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Im Dialog mit der
Wirtschaft erarbeitet mein Ministerium weitere Maßnahmen, um diesen Prozeß zu
unterstützen. (Wieso muß ein Hersteller von Lebensmitteln auf der Verpackung
vermerken, was er NICHT verwendet? Das ist doch nur ein mieser Trick, um nicht
draufschreiben zu müssen, daß ein Produkt gentechnisch veränderte Organismen
enthält, denn eine solche Aufschrift – in lesbarer Größe! – könnte allzu
abschreckend auf die ablehnende Bevölkerungsmehrheit wirken.)
Anbau
Anders als in anderen Weltregionen ist in der Europäischen Union im Bereich
landwirtschaftlicher Nutzpflanzen bisher nur der gentechnisch veränderte Mais
MON810 der Firma Monsanto zugelassen. Der Anbau findet seit 2007 unter den
Bedingungen eines nationalen Gentechnikrechtes statt, das erstmals Abstandsflächen
vorschreibt – 150 Meter zu konventionellem und 300 Meter zu biologischem Anbau.
(Haha, als ob der Wind sich an Ackergrenzen hält! Wenn das so wäre, wie
kommt der Raps an die Autobahnböschungen? Raps z.B. wurde schon in 26 km
Entfernung vom eigentlichen Anbauort gefunden!) Die Zulassung von MON810
wurde 1998 auf EU-Ebene erteilt und steht zur erneuten Zulassung an. Mehrere
Länder (Frankreich, Griechenland, Österreich und Ungarn) haben 2007 den
weiteren Anbau untersagt. Deutschland und der damalige Bundesminister Horst
Seehofer haben sich für einen anderen Weg entschieden: Der Anbau ist seither
nur unter Monitoring-Auflagen weiter gestattet. Der Bericht über die Einhaltung
dieses Monitoringplans soll diesen Monat vorgelegt werden. Wir werden ihn sehr
genau prüfen. Der Monitoringplan stellt hohe Sicherheitsanforderungen an den
Anbau und diese müssen auf jeden Fall eingehalten werden. Wenn nicht, gibt es
für mich keine Alternative zum Verbot. (Hier wird an des Pudels Kern – wie
üblich – vorbeigeredet)
Der Unterschied zwischen
Deutschland und den anderen Ländern, die sich gegen einen Anbau entschieden
haben, liegt in den unterschiedlichen Positionen auf der deutschen nationalen
Ebene. Innerhalb der Bundesrepublik gibt es zu diesem Thema gegenteilige Meinungen.
(Soll heißen, auf Ebene der Parteien. Das Volk hat sich längst mehrheitlich
dagegen entschieden)
Eine klare Haltung (die
es nicht gibt!) der CSU und von mir gegen den Anbau führt noch zu keiner
Mehrheit auf der nationalen Ebene. Eine Mehrheit für ein generelles Verbot in
Deutschland ist aus derzeitiger Sicht nicht zu erreichen. (Dann macht doch
mal den kritischen Film „Monsanto – mit Gift und Genen“ publik, vielleicht
wirkt der ja meinungsbildend auf die Nichtwissenden ein)
Deshalb setze ich mich dafür
ein, daß die Entscheidung über den Anbau Grüner Gentechnik künftig vor Ort
(Länder- oder Kreisebene) getroffen werden kann. Wir haben in Europa und auch
in Deutschland vielgestaltige Verhältnisse, unterschiedliche Strukturen,
Traditionen und Wirtschaftsweisen – auch in der Landwirtschaft. Der
EU-Umweltrat hat in seiner Entscheidung im Dezember jedoch eine solche
Möglichkeit nicht eröffnet. Lediglich freiwillige Vereinbarungen unter
Beteiligung aller Grundstückseigentümer sind derzeit möglich. (Damit wird
auf Gemeindeebene Zwietracht gesät! Und es ist die Saat gelegt für eine
flächenmäßige Ausbreitung der Gensaat durch den Wind im Laufe der Zeit. )
Ich setze mich trotzdem
weiter für größere Entscheidungsspielräume in den Regionen ein. Änderungen auf
EU-Ebene zu erreichen ist allerdings ein langfristiger und schwieriger Prozeß.
Deshalb lasse ich gleichzeitig prüfen, ob es nicht doch innerhalb des
nationalen Rechts möglich (???) ist, gentechnikfreie Regionen
auszuweisen. Gerade in kleinteiligen Strukturen wie in Bayern wäre das ein
vernünftiger Ansatz. Ein gentechnikfreies Bayern wäre ein von vielen Menschen
gewünschtes Ziel. Aber nach derzeitigem EU-Recht ist das nicht möglich. (Warum
nicht? Wird da nicht wieder die anonyme EU vorgeschoben, um Parteien- und
Konzerninteressen unauffälliger durchsetzen zu können?) Deshalb hat die
Kommission auch Anfang März dem Umweltrat einen Beschluß vorgelegt, der
Österreich und Ungarn das Anbauverbot untersagen sollte. Ich bin wie der
Bundesumweltminister der Meinung, daß man anderen Ländern das Anbauverbot nicht
untersagen sollte. Innerhalb des Bundeskabinetts gibt es hierzu jedoch
unterschiedliche Sichtweisen. (Hättet ihr alle das Volkswohl im Auge, so
könnte es nur eine einzige Ansicht geben!)
Bei der Grünen Gentechnik
Lösungen zu finden, die den sehr unterschiedlichen Zielsetzungen und Ansichten
in der ganzen Bundesrepublik gerecht werden, ist ein komplexes Unterfangen. Die
gesellschaftliche Debatte muß jedoch geführt werden – und sie muß argumentativ
und transparent geführt werden. (Das ganze Theater ist völlig
unverständlich. Kann man nicht einfach mal alle Argumente für und wider
genmanipuliertes Saatgut auf den Tisch legen und gegeneinander abwägen? Meines
Wissens sind die Argumente FÜR Monsantoprodukte längst durch die Erfahrung der
Anwender weltweit widerlegt.)
Am Ende braucht man aber
auch politische Mehrheiten - sowohl auf der Bundesebene als auch in der
europäischen Union. Mein Ziel ist es, im Sinne des Subsidiaritätsprinzips die
Entscheidung über den Anbau auf die Regionen zu verlagern. (Oder gleich auf
die Schrebergärtenebene??) Dann können wir in Bayern entscheiden, ob bei
uns Grüne Gentechnik angebaut wird oder nicht. Dafür kämpfe ich – auf Bundes-
und auf europäischer Ebene.“
Offenbar will Frau Aigner
ihre Vorgängerin Künast an Heuchelei noch überbieten, was aber nicht leicht
sein dürfte: Im
April 2004, unter „Rot-Grüner“ Herrschaft, ging es darum, ob ein EU-Moratorium
von 1998 gegen den Anbau von genmanipulierten Organismen aufgehoben werden
sollte oder nicht. Bei einem Unentschieden im EU-Agrarrat hat die EU-Kommission
das entscheidende Wort. Anstatt mit „Nein“ gegen die Aufhebung und den Anbau zu
stimmen, hat sich die „Grüne“ Künast der Stimme enthalten! Sie selbst nahm
damals zu diesem Verrat wie folgt Stellung:
„Zulassung und Kennzeichnung
gentechnisch veränderter Organismen und daraus hergestellter Lebens- und
Futtermittel sind in der EU einheitlich geregelt. Daran sind wir auch in
Deutschland gebunden. Auf dieser Grundlage sind bis 1998 verschiedene Genehmigungen
erteilt worden. Im Mai dieses Jahres (2004) hat dann die Europäische
Kommission zum ersten Mal nach sechs Jahren wieder eine Genehmigung erteilt.
Ich kritisiere diese Entscheidung als verfrüht und habe ihr nicht
zugestimmt. Die Abstimmungsprozeduren in der EU sind kompliziert. Deshalb noch
einmal ganz klar: Die EU-Kommission brauchte Ja-Stimmen und die hat sie von
Deutschland nicht bekommen! (Aber die Menschen, insbesondere die
GRÜNEN-Anhänger, brauchten ein eindeutiges NEIN, um den Anbau zu verhindern!
Pfui, was für eine Heuchelei!!) Ich habe damit verhindert, daß die
EU-Kommission die Zustimmung bekommen hat, die sie für eine Verabschiedung
durch den Rat gebraucht hätte. (Hier steigert sich die Heuchelei noch, da
ihr ja die Regularien und auch die Grundmeinung der konzernorientierten
EU-Kommission bekannt waren! Ein dreifaches Pfui!!!) Im Übrigen werde ich
auch in jedem künftigen Fall gegen eine Zustimmung votieren, wenn der Verdacht
besteht, daß ein Risiko für die Umwelt oder die Gesundheit besteht. (Wie
ignorant dürfen Entscheidungsträger eigentlich sein? Und wieso hat die „grüne
Basis“ damals nicht aufgejault?) Für den Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen können die EU-Mitgliedstaaten eigene Regeln erlassen. Ein pauschales
Verbot ist dabei EU-rechtlich und auch aufgrund unserer
WTO-Verpflichtungen nicht möglich (!!??) und auch von keinem
Mitgliedstaat ausgesprochen worden. Mit den am 18. Juni (2004) vom
Bundestag beschlossenen Änderungen des Gentechnikgesetzes werden wir weltweit
mit die strengsten Bestimmungen zum Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft
haben.“ (Da lachen ja weltweit die Hühner, Frau Künast! Sofern sie nicht
schon an GVO-Futter krepiert sind!)
Ja, so funktioniert sie, die
gute alte Demokratie, für deren Einsetzung weltweit schon Ströme von unwilligem
Blut vergossen wurden. Auf in die Wahlkämpfe!
1 „Der Bundestag
ist eine Schweinebande“ – lt. Morgenpost vom 6.3.2006, Überschrift,
Lafontaine zitierend.