Politisch korrekter
Prosemitismus
B. Ullrich
Am Dienstag, den 16. März
2010, frohlockte der Kölner Stadtanzeiger unter dem Titel „Umbenennungen – von
Patrioten und Antisemiten“, daß die Greifswalder Universität „nicht länger den
Namen des deutschen Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt tragen“ wird, wegen
dessen „antisemitischer Haltung“.
Der Artikelschreiberling
begründete dies unter anderem wie folgt:
„Das
Vorhaben ist politisch korrekt, denn Arndt war nicht nur ein Kämpfer gegen die
Napoleonische Fremdherrschaft, gegen Fürstenwillkür, für Pressefreiheit und
demokratische Reformen, sondern auch ein glühender Antisemit. Zu beschönigen
gibt es da nichts. Auf ihrer Internetseite serviert die von Hochschullehrern
und Studenten getragene Initiative „Uni ohne Arndt“ eine Lese aus dessen
Schriften: Unter anderem bezeichnete Arndt die Juden als „fremde Plage“, die
aus dem deutschen Volksstamm „auf ewige Zeit geschieden“ werden müsse.“
Da Professor
Ernst Moritz Arndt sich mit seiner Abneigung gegen eine jüdische „fremde Plage“
in umfangreicher Gesellschaft unter den deutschen Geistesgrößen seiner Zeit befand,
fordert der Schreiberling nun eine „Debatte“ über alle Deutschen, die sich des
„Antisemitismus“ ebenfalls schuldig machten.
„Begonnen werden
müßte mit unserer Nationalhymne. Deren Verfasser, Heinrich Hoffmann von
Fallersleben, war nicht nur ein drittrangiger Dichter (Frechheit!!!),
sondern auch ein notorischer Fremdenfeind und Antisemit.“
Weiter erwähnt
werden Goethe, Schiller, Herder, Lichtenstein, von Arnim, Kleist, Freytag,
Fontane, ja selbst Thomas Mann und der „Halbjude“ Adorno, der sich über Zeremonien
religiöser Juden lustig gemacht haben soll, tzz tzz.
Hoffentlich hat
der Autor keine allzu langen Haare, denn er kommt beim Studium der
verschiedenen Schriften zu dem Schluß:
„Wer einmal die
Äußerungen deutscher Geistesgrößen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts zur
„Judenfrage“ Revue passieren läßt, dem stehen prima vista1
die Haare zu Berge.“
Dabei hat er
nicht einmal Wilhelm Busch erwähnt, der in seinem bebilderten Epos „Die fromme
Helene“ dichtet:
„Und der Jud mit
krummer Ferse,
Krummer Nas’ und
krummer Hos’
Schlängelt sich
zur hohen Börse
Tiefverderbt und
seelenlos.“
Auch Professor
Johannes Gottlieb Fichte (1762-1814) hatte nicht gerade einen philosemitischen
Anfall, als er feststellte:
„Fast durch alle
Länder von Europa verbreitet sich ein mächtiger, feindlich gesinnter Staat, der
mit allen übrigen im beständigen Kriege steht....: das Judentum..... Fällt euch
denn hier nicht der begreifliche Gedanke ein, daß die Juden, welche ohne euch
Bürger eines Staates sind, der fester und gewaltiger ist als die eurigen alle,
wenn ihr ihnen auch noch das Bürgerrecht in euren Staaten gebt, eure übrigen
Bürger völlig unter die Füße treten werden?“
Oder gar – ganz,
ganz schlimm – der heute noch hochgeschätzte Religionsstifter Martin Luther,
der in seinem (heute würde man sagen, durch und durch antisemitischen) Büchlein
„Von den Juden und ihren Lügen“ ganz fürchterliche und hoffentlich
unzutreffende Behauptungen aufgestellt hat, wie:
„Sie sind die
rechten Lügener und Bluthunde, die nicht allein die ganze Schrift mit ihren
erlogenen Glossen, von Anfang bis noch daher, ohn aufhören verkehret und
verfälscht haben... O, wie lieb haben sie das Buch Esther, das so fein stimmet
auf ihre blutdürstige, rachgierige, mörderische Begier und Hoffnung.... Wenn
ein Dieb zehen Gülden stielet, so muß er hängen, raubet er auf der Straßen, so
ist der Kopf verloren. Aber ein Jud, wenn er zehen Tonnen Goldes stielet und
raubet durch seinen Wucher, so ist er lieber denn Gott selbst... Möchte jemand
denken, ich rede zuviel; ich rede nicht zu viel, sondern viel zu wenig. Denn
ich sehe ihre Schriften, sie fluchen uns Gojim und wünschen uns in ihren
Schulen und Gebeten alles Unglück." usw. ...
Luther beließ es
in dieser Schrift nicht bei bloßen Worten, er machte sogar praktische
Vorschläge zu der Frage: „Was wollen wir Christen nun tun mit diesem
verworfenen, verdampten Volk der Juden?“ Dieser Christ schlug
tatsächlich vor, man solle ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, ihre
Häuser zerbrechen und zerstören, ihnen „all ihre Bethbüchlin und Talmudisten“
nehmen, „ihren Rabbinen bei Leib und Leben“ verbieten zu lehren, ihnen den
Wucher zu verbieten und den „jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe
Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel, und lasse sie ihr Brot verdienen
im Schweiß der Nasen“.
Nichtsdestotrotz
brüsten sich Wittenberg und Eisleben auch heute noch als „Lutherstädte“, tragen
zahlreiche Schulen und Straßen den Namen dieses Religionsstifters und frühen
Antisemiten. Auf DIE Debatten darf man gespannt sein- so sie denn jemals
stattfinden werden.
Ach so, ehe es
vergessen wird zu erwähnen: Der Autor des prosemitischen Artikels hat sich zu
früh gefreut, denn das Ergebnis der Abstimmung an der Uni fiel anders aus, als
von ihm schon vorweggenommen. Soll, so lautete die Frage, um die es ging, die Hochschule
den Namen Ernst Moritz Arndt ablegen und nur noch Universität Greifswald
heißen?
Am 17.3.2010 fiel die
Entscheidung zu Gunsten des – dank jahrzehntelanger Gehirnaufweichung
„umstrittenen“ – deutschen Freiheitskämpfers und gegen die undeutschen Umtäufer
aus!