The next great leader“

B. Ullrich

Ob es den Fernsehmachern vom ZDF eher um die Zuschauerquote geht oder ob selbst die mittlerweile die Nase gestrichen voll haben von dem, was uns da seit Jahrzehnten als „politische Klasse“ angeboten wird – über die Beweg­gründe darf gerätselt werden. Aber allein der Einfall, eine kanadische Erfolgs-Show nach BRD-Fernsehland holen zu wollen, die übersetzt „Der nächste große Führer“ heißt, ist schon einen Oskar (oder einen Adolf?) wert!

Man stelle sich das mal bildlich vor:

Die Bühne betritt ein junger Mann mit Scheitel und brav gestutztem Schnäuzer, er präsentiert ein Video, in dem er binnen 5 Minuten darlegt, wie man ruckzuck die Probleme Arbeit, Rente, Kinderarmut, Verschuldung, Kor­ruption, Zinsknechtschaft, unmenschliches und unbezahlbares Gesundheits­system, unökologische Landwirtschaft usw. löst – er kommt in die Endaus­scheidung, das Publikum rast vor Begeisterung – und dann?

Dreht man ihm schon nach den ersten klaren und wahren Worten das Mikro­fon ab? Wird er die Bühne lebend verlassen dürfen?

Nach Aussage des Senders werden „neue, unverbrauchte politische Hoff­nungsträger“ gesucht. Mehr als vage Hoffnungen auf irgendwannmal bessere Politiker und somit bessere Zeiten müssen diese „Hoffnungsträger“ also nicht vermitteln – getreu dem alten Sinnspruch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Ein Unterschied zu den bisherigen Superstar-Showdarbietungen wird es schon sein, wenn hier mal fürs Klugscheißern geklatscht wird, anstatt nur für die Zurschaustellung körperlicher Merkmale. Allerdings, solange in diesem un­seren Land die politischen Ziele von außerhalb vorgegeben werden – was un­ter dem Tarnbegriff Globalisierung abläuft - , ist das politische Personal aus­wechselbar und die Suche nach dem „nächsten großen Führer“ nichts als Augenwischerei. Ebenso könnte man die beste Sendezeit mit „Deutschland sucht den gesunden Menschenverstand“ verplempern, denn der ist vor 68 Jah­ren gleich mit verkapituliert worden!