Wehe, wenn Mitt Romney die Wahl gewinnt!

R. Melisch aus „Huttenbriefe“ 2/2012

Nun, da seit Ende April feststeht, daß sich Mitt Romney bei den Vorwahlen gegen seine repu­blikanischen Mitbewerber Rick Santorum, Newt Gingrich, Ron Paul, Rick Perry und Michele Bachmann durchgesetzt hat und ihm gute Chancen eingeräumt werden, kommenden November seinen demokratischen Konkurrenten Obama zu schlagen, wird von Alabama bis Alaska, von Kali­fornien bis Florida kein Wähler behaupten können, er wisse nicht, worauf er sich einläßt, wenn er diesem Mann seine Stimme gibt.

Der 1947 geborene Mitt Romney, Ex-Gouverneur von Massachusetts, gläubiger Mormone und Multimillionär - 2011 zahlte er für ein Teilvermögen von 350 Millionen Dollar lediglich 15,4 Prozent Steuern - hielt bereits am 7. Oktober letzten Jahres seine vielbeachtete erste programmatische Rede als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei zur außenpolitischen Linie, die er verfolgen würde, sollte er die Wahl gegen den amtierenden Prä­sidenten Obama gewinnen. Hier die Zusammenfassung seines Programms, das er urbi et orbi laut und deutlich verkündete:

„Dieses Jahrhundert muß ein amerikanisches Jahrhundert sein. Im ame­rikanischen Jahrhundert wird Amerika die freie Welt und die freie Welt wird die gesamte Welt anführen. Gott hat dieses Land nicht erschaffen, um eine Nation von fügsamen Nachahmern zu beherbergen. Amerika ist nicht auserse­hen, eine von mehreren vergleichbaren Weltmächten zu sein. Führt Amerika nicht die gesamte Welt an, wird dies eine andere Macht tun. Ohne ame­rikanische Führung, ohne amerikanische Entschlossenheit und Zielstrebigkeit würden Freiheit und Wohlstand mit Sicherheit die ersten Opfer sein..."

Will Mitt Romney ein Armageddon erzwingen?

Weil Amerikas „manifest destiny" (offenbare Vorsehung) gottgewollt sei, würde er als Präsident den schicksalhaft notwendigen kriegerischen Ausein­andersetzungen mit China, Rußland, dem Iran, Pakistan und weltweit Milli­arden Muslimen niemals ausweichen, auch wenn seine Wehrpolitik das bishe­rige Maß des ohnehin schon astronomisch hohen Verteidigungsbudgets sprengen sollte. In seinem Buch „No Apology: The Case for American Great­ness" (für das Erstreben von Amerikas Größe wird keinerlei Rechtfertigung benötigt) predigt Mitt Romney den Glauben an den „American Exeptio­nalism" (Amerikas Außergewöhnlichkeit), ein Begriff, den Michael Collins Piper, Kritiker des amerikanischen Größenwahns, als „fein säuberlich in einer amerikanischen Flagge verpackten räuberischen Eroberungsimperialismus" bezeichnet.

In seiner Rede führte Romney - dessen fünf erwachsene Söhne übrigens keinen Militärdienst ableisteten - des weiteren aus: „... Wir befinden uns im Krieg gegen den islamischen Fundamentalismus: wir befinden uns im Krieg gegen das älteste aller Vorurteile: Den Antisemitismus. Im Lauf der ersten hundert Tage als Präsident werde ich veranlassen, daß fünfzehn statt bisher neun Kriegsschiffe jährlich auf Kiel gelegt und unsere Raketenabwehrschirme mehrfach gestaffelt ausgeweitet werden. Ich werde den Iran militärisch ein­schnüren, unsere militärische Zusammenarbeit mit Israel vertiefen und unsere militärische Hilfe an Israel verstärken. Iranische Nuklearwaffen werde ich nicht dulden!" In einem Interview mit CNN bekam auch Rußland sein Fett ab: „Rußland spielt keine freundliche Rolle, es ist Amerikas geopolitischer Gegner Nummer Eins in der Welt!" Hatte nicht schon der polnisch-ame­rikanische Rußlandhasser Zbigniew Brzezinski 1997 in „The Great Chess­board" (deutsch: „Die einzige Weltmacht") auf Seite 40 die drei zwingenden Aufgaben der imperialen Geostrategie Amerikas auf dem eu-rasischen Schachbrett, wie folgt, definiert? „Prevent collusion and maintain security de­pendence among the vassals, keep tributaries pliant and protected, and keep the barbarians from Coming together." Zu Deutsch: Geheimabsprachen unter Vasallen verhindern und ihre und ihre militärische Abhängigkeit aufrecht erhalten, Tributpflichtige beschützen und bei Laune halten, Barbaren gegen­einander aufhetzen. Mit „Vasallen" meinte Brzezinski die Deutschen, die Ja­paner und die übrigen Nato-Länder, mit Tributpflichtigen die Ölemirate und andere Schutzbefohlene, mit „Barbaren" die Russen und Chinesen. Unter einem Präsidenten Mitt Romney werden die USA deshalb trachten, ihre be­herrschende Rolle auf dem amerikanischen Doppelkontinent wieder herzu­stellen, ihre imperialen Ziele auf dem eurasischen Doppelkontinent weiter zu verfolgen, es sei denn, sie würden von den „Schurkenstaaten" Rußland, China und anderen „Schurkenstaaten" mit Gewalt daran gehindert.

Zu Romneys wichtigsten politischen Einflüsterern gehört der Zionist Eliot Cohen, einflußreicher Mitbegründer des PNAC (Project for a New American Century), das für die Inszenierung eines neuen „Pearl Harbour" eintritt, um einen Kaltstart zur Auslösung von Romneys weltkriegerischen Abenteuern zu ermöglichen. Ferner, so „New York Times" am 7.April, verbinde Mitt Rom­ney eine enge Freundschaft mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, die 36 Jahre zurückreicht, als dieser, nach seinem Schulabschluß in Philadelphia (Pennsylvania), für die Firma Boston Consulting Group arbei­tete, wo er Romney kennenlernte. Als Romney während seines Wahlkampfs, der vom AIPAC (American Israeli Public Affairs Committee) großzügig fi­nanziert wird, versicherte, er werde als Präsident keine Entscheidung in Sa­chen Nahostkonflikt treffen, ohne vorher seinen Freund Netanjahu zu kon­sultieren, kritisierte sogar die pro-israelische „New York Times", diese Haltung verrate ein hohes Maß an Unterwürfigkeit, die im Hinblick auf Ne­tanjahus einseitige Sichtweise dieses Konfliktes gar manche unangenehme Überraschung befürchten läßt.

Wir, die nicht nach unserer Meinung gefragten Europäischen Lemminge und Vasallen von „God's Own Country" wollen hoffen, daß Anfang November 2012 die Amerikaner bei ihren Präsidentschaftswahlen genau so viel staats­bürgerliche Weisheit, demokratische Weisheit, dank Erfahrung erhärteten Durchblick bekunden, sowie politischen Ekel empfinden werden, wie anläß­lich der Wahlen des Jahres 2004, als sich lediglich 37 Prozent der wahlbe­rechtigten US-Bürger registrieren ließen. Von ihnen gaben nur 42 Prozent ihre Stimme ab. Somit steht fest, daß 84 Prozent nicht zur Wahl gingen, ,also gerade mal 16 Prozent von diesen abstimmten und George W. Bush von nur 8 (!) Prozent seiner wahlberechtigten Landsleute gewählt wurde.

Uncle Sams Hybris und krankhafte Selbstüberschätzung

Wie sehr diese Charakterisierung zutrifft, möge das folgende Schreiben be­legen, welches die Präsidentin der Organisation „Act for America" anläßlich des amerikanischen Nationalfeiertages, dem „Independance Day" am 4. Juli 2011, aussandte. Diese Organisation wurde nach eigenen Angaben geschaf­fen, „to provide American Citizens with means to become a collective voice for the democratic values of Western Civilization, such as the celebration of life and liberty, as opposed to the authoritarian values of islamofascism, such as the celebration of death, terror and tyranny," (... amerikanischen Bürgern die Mittel zu verschaffen, um mit einer Stimme die Werte der Westlichen Zi­vilisation, die z.B. Leben in Freiheit zu preisen, im Gegensatz zu den autori­tären Werten des Islamo-Faschismus, wie z.B. Verherrlichung von Tod und Tyrannei.)

Hier eine Zusammenfassung des Schreibens:

Der 4. Juli 1776 war ein weltbewegendes Ereignis. Es bedeutete nicht nur die Geburt einer Nation, sondern auch eines Ideals, das alle Völker der Welt erstrebten. Dieses Ideal heißt 'American Exeptionalism' (amerikanische Einzigartigkeit) und bedeutet Eigenbestimmung, Freiheit, Bereitschaft zu Freiwilligkeit und zum Selbstopfer... Seit der Geburt Amerikas ist jede Gene­ration von Amerikanern aufgerufen worden, der Welt als Leitstrahl zu dienen, das Böse - wie z.B. im 2. Weltkrieg - zu bekämpfen und für Gerechtigkeit einzutreten... dieses Ideal hat seither den Menschen so hell vorangeleuchtet, daß Millionen von ihnen Entbehrungen und Gefahren auf sich nahmen, um Amerikas Gestade zu erreichen, um Freiheit und Aufstiegsmöglichkeiten zu erlangen... Beseelt vom Geiste unserer „Founding Fathers" sind wir heute auf­gerufen, die Zaudernden aufzurütteln und die Hoffnungslosen zu begeistern, die Lügner zum Schweigen zu bringen und die Patrioten zu führen. Denn sollte es uns nicht gelingen, die Unwissenden aufzuklären, werden wir die Wissenden nicht retten können. Es ist an der Zeit, die 'politische Korrektheit' über Bord zu werfen und es ist an derzeit, die Amerika kritisieren und be­haupten, Amerika sei die Quelle allen Übels, endlich das Maul zu stopfen. Es ist an der Zeit, nicht als Afro-Americans, Italo-Americans, Arab-Americans, Chinese-Americans, Hispano-Americans, sondern sich als einig ame­rikanisches Volk gegen das Böse und den Haß des radikalen Islam zur Wehr zu setzen Gott schütze euch, Gott schütze unser Militär..., Gott schütze Ame­rika!"

An allen nur denkbaren nationalen und religiösen Gedenk- und Feiertagen Uncle Sams finden Fähnchen, Anstecknadeln, Hüte, bedruckte Hemden und andere Fetische, dazu auch CDs mit passenden „Hits", Bilder berühmter Sporthelden sowie bekannter Hollywoodgrößen reißenden Absatz, vorausge­setzt, sie verherrlichen die Großtaten amerikanischer Heldengestalten von Davy Crockett bis General McArthur, von Cassius Clay bis Michael Jackson. Der große Renner für Millionen wiedergeborener Christen1 sind freilich Re­produktionen kitschiger Gemälde religiösen Inhalts in allen Größen und Farb­kombinationen. Ganz im Stile von Massenszenen wie Michelangelos „Das Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle oder Anton von Werners „Pro­klamation König Wilhelms zum Deutschen Kaiser" 1871 in Versailles, pinselte der zeitgenössische amerikanische Mormone und Malermeister Jon McNaughton den inzwischen millionenfach kopierten Monumentalschinken „One Nation Under God". In der Bildmitte erscheint in Pastellfarben Jesus Christus im Glorienschein und hält in seiner Rechten die „US Constitution“. Er ist umringt von sechzig wahren und symbolischen Gestalten aus Geschich­te und Gegenwart. Unter ihnen: George Washington, Abraham Lincoln, John F. Kennedy, je ein Soldat aus dem Bürgerkrieg, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, Ronald Reagan, Davy Crockett, Benjamin Franklin, Dwight Eisen­hower, eine schwangere Frau, ein behindertes Kind, ein Immigrant, ein Bau­er, und -zur Linken des Heilands - ein korrupter Politiker, eine aufdringliche Reporterin, ein Fernsehunterhalter, ein Richter beim Obersten Gericht, ein Winkeladvokat, und - gut getarnt - Satan höchstpersönlich.

Spielen wir EU-ropäer überhaupt noch eine Rolle?

Wie die gebildeten dekadenten Griechen nach der vernichtenden Niederlage von Kynoskephalae (197 v. Chr.) hinter vorgehaltener Hand ihre römischen Besatzer als rohe ungebildete „Romani inculti" verlachten, aber vor ihren Le­gionen zitterten, das einfache Volk jedoch schon bald römische Mode trug und nach der römischen Flöte tanzte, wurden die traurigen Restelemente einst gefürchteter spartanischer und athenischer Phalangen sowie die klugen Schwätzer auf der Agora von den siegreichen Römern als „Graeculi" verachtet. Nicht anders entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg das Verhältnis zwischen den allein triumphierenden Amerikanern und den besiegten Deutschen und Japanern, aber auch den „siegreichen" alliierten europäischen Kulturvölkern und Kolonialmächten, wodurch England, Frankreich, Holland, Italien, die auf finanzielle Hilfe Amerikas angewiesen waren und heute noch sind, in politische und militärische Abhängigkeit Washingtons gerieten.

Auf dem Schachbrett der geopolitischen Weltkarte sind die einst erdum­spannenden europäischen Imperien und Kulturstaaten mit freiem Auge nicht mehr erkennbar. Mit Ausnahme Monacos, Andorras und des Vatikans, sind die europäischen Länder entweder Mitglieder der NATO oder der sogenann­ten „Partnerschaft für den Frieden", der sich auch die neutralen Schweizer, Schweden, Iren, Österreicher angeschlossen haben und an gemeinsamen Ma­növern mit Nato-Mitgliedern teilnehmen dürfen und müssen. Zeitgenossen, die noch nicht völlig erblindet oder verblendet sind, wird aufgefallen sein, daß die in Brüssel und EU-ropas Hauptstädten regierenden „Eliten" seit Jahr­zehnten sowohl im Verborgenen als auch mittels dreister Lügen, juristischer Tricks und Verfassungsbrüchen daran „arbeiten", die Globalisierung unseres Kontinents zum Zweck der Ausbeutung aller Völker und Erpressung eines niemals versiegenden, billionenfachen Zinssegens zu Gunsten der Speku­lanten, Wucherer und Finanzblutsauger an der Wall Street und deren EU-ro­päischen Filialen zu vollenden.

Als überhebliche Beherrscher der Erde würden die sich als Gottes Auserwähl­te betrachtenden Globalisierer nicht mit der Rolle von winzigen Staubkörnern auf einem Planeten des heliozentrischen Sonnensystems begnügen, sondern den Glauben an die geozentrische Rolle der von ihnen beherrschten Mutter Erde wieder einführen: Dann würde allmorgendlich die Sonne über den ja­panischen Nikkei aufgehen, mittags den Frankfurter Dax erwärmen, abends den New Yorker Dow Jones im vollen Glanz erstrahlen lassen. Und im Schatten der Sonnentempel im Erdenrund würden Wucherer, Heuschrecken, korrupte Juristen und Volksvertreter - wie eh und je - ihre Silberlinge zählen.

Es liegt an uns Millionen wissender Bürgerinnen und Bürger, diese apokalyp­tische Katastrophe mit Worten und Taten zu bekämpfen und zu verhindern. Sage niemand, er hätte nicht Bescheid gewußt!

1 richtiger „wiedergeborene christliche Zionisten“, zu denen wohl auch Rom­ney zählt. Über diese mächtige mafiöse Bewegung und deren Einfluß auf Millionen us-amerikanische Christen hat der bekannte Autor F. William Eng­dahl in seinem Buch „Apokalypse jetzt“ von 2007 ausführlich berichtet.