Die Finanzkrise
im Allgemeinen und im Besonderen
H.-F. Schulte
Grundsätzliches
Immer wieder
hört man, der Verbraucher, der Kranke, der Rentner werde von den Konzernen oder
Banken abgezockt, im Sinne, „sie betrögen ihn um sein Geld“. Hierzu ist zunächst
festzustellen, daß Banken und Konzerne juristische Konstruktionen (juristische
Personen) sind, die im Interesse ihrer Besitzer (natürliche Personen)
geschaffen wurden, und die als solche weder betrügen können noch irgend planen.
Die Inhaber tun dies, die GmbH's, OHG's, AG's, GmbH und CoKG's usw. dienen
lediglich, unter anderem, der Verschleierung dieses Sachverhaltes.
Zum zweiten möge
sich jeder klar machen, daß er kein eigenes Geld hat: Er hat es immer von
woanders bekommen, nicht selbst hergestellt. Er glaubt zwar, es verdient zu
haben oder daß es ihm zustünde, immer aber hat er es von woanders, woher auch
immer, erhalten. Für den Zeitgenossen dient es normalerweise der Beschaffung
dessen, was er nicht selbst herstellen kann, also dem heute weit überwiegenden
Teil seines Bedarfs. Das nennt man Arbeitsteilung. Hier hat das Geld seine
Bedeutung und Bestimmung durch die Möglichkeit des Kaufens. Schon hier wird
deutlich, daß der Besitz von Geld nicht der Besitz von irgend tatsächlich
Vorhandenem ist, sondern in staatlich abgesicherten Rechten besteht, und zwar
nur und ausschließlich innerhalb des Rechtssystems einer wie auch immer
verfaßten Allgemeinheit.
Die weitere,
zweite und für die Beurteilung der "Krise" fundamentalere Funktion
ist folgende: Der zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse auf Geld angewiesene
Zeitgenosse, der im Wege der Arbeitsteilung seine materielle Selbstbestimmung
verloren hat, ist nun auf jemanden angewiesen, der ihm dieses Geld gibt und muß
dafür das tun, was jener ihm vorschreibt, im Zweifelsfall auch gar nichts
(Hartz IV). Die Konzerne zocken also niemanden ab, sondern ihre Besitzer
bestimmen, womit wir unseren Tag zu verbringen haben. Auch die Inhaber brauchen
niemand abzuzocken, sie verfügen ja über die Möglichkeit der Erzeugung von
Geld.
Nun hört man zur
Zeit immer wieder, jeder wisse ja, daß man Geld nur einmal ausgeben kann, mit
der Annahme, dies gelte auch für den Staat. Was nun für den Einzelnen
tatsächlich stimmt, wenn er "sein" Geld in den Supermarkt gebracht
hat, stimmt für die Volkswirtschaft nicht. Der Supermarkt nämlich wird das eingenommene
Geld wieder ausgeben, etwa für Löhne, Einkäufe, Mieten usw.. Der Empfänger
seinerseits tut dies wiederum, der nächste auch, usw., das Geld zirkuliert.
Eine der Lügen, die dem kapitalistischen Wirtschaftssystem zugrundeliegen, ist
nun die, das gelte auch für den Staat. Er wird als finanztechnisch normaler
Marktteilnehmer betrachtet, dessen Einnahmen die Steuern seien, mit denen er
seine Ausgaben gleichsam bezahlt, der sich also betriebswirtschaftlich
verhalten müsse, indem er nicht mehr ausgibt, als er einnimmt. Wäre das so, hätten
wir eine feste Geldmenge, die in der Volkswirtschaft zirkuliert, und die Aufgabe
der Zentralbank bestünde darin, irgendwelche Störungen dieses Kreislaufes zu
verhindern.
Auch dann
allerdings erhöbe sich die Frage, woher ursprünglich dieses Geld nun herstammt.
Man könnte meinen, und der unbedarfte Zeitgenosse gibt dies bei
inquisitorischer Befragung auch häufig an, die Bundesbank habe es, vielleicht
im Zuge der Währungsreform, bereitgestellt. Tatsächlich aber wächst seit diesem
Zeitpunkt die Geldmenge unaufhörlich an, und es ist eine völlig unbestrittene
Tatsache, daß eine Zentralbank per Mausklick Geld in beliebiger Menge herzustellen
imstande ist, das heißt aber, s. o., Rechte austeilt! Die Frage darf nicht nur,
sondern muß gestellt werden, wem diese Rechte eingeräumt werden.
Finanzkrise 2008
Die
amerikanische Administration unter dem ebenso umjubelten wie famosen
Präsidenten Obama hat dem Vernehmen nach allein 4 Billionen Dollar neues Geld
in die "Märkte" gepumpt, die Bundesregierung unter Angela Merkel 500
Milliarden Euro. "Markt" ist ein ebensolcher verschleiernder
Euphemismus wie "Bank" und "Konzern", denn ein "Markt"
handelt nicht selbst, auf ihm wird unter Beachtung von außen festgesetzter
Regeln von Personen gemäß ihrer Interessen gehandelt. Niemand wird nun
behaupten, dieses Geld sei in den Taschen der Verbraucher angekommen. Ein Teil
ist als Boni in den Taschen der Finanzjongleure gelandet; der höchste Bonus
einer einzigen Person betrug 2008 3,7 Milliarden Dollar plus 400 Millionen
Festgehalt. Wird dieses Geld nun in die Realwirtschaft eingespeist, erheben
unsere heuchlerischen Politiker und die von ihnen alimentierte Gang der
"Wirtschaftswissenschaftler" auf Kommando ein frenetisches
Beifallsgeheul über die neuen Arbeitsplätze. In Wirklichkeit liegt hier eines
der Hauptprobleme der kapitalistischen Wirtschaftsweise, denn der Bonusempfänger
wird "sein" Geld fast ausschließlich in absolute Luxusgüter stecken,
und damit deren Produzenten zwingen, Produkte und Dienstleistungen ohne
Gebrauchsnutzen herzustellen. Die Arbeitskraft der Beteiligten wird also vergeudet
und steht der Volkswirtschaft respektive ihren Trägern, der Bevölkerung, nicht
mehr zur Verfügung, verpufft völlig nutzlos. Der andere Teil kann über die
Konzern- und Bankenkonstrukte für Waren ohne Gebrauchswert ausgegeben werden,
zum Beispiel Rüstungsgüter oder die Produkte der Bewußtseinsindustrie. Dem
entspricht die seit mehr als zwanzig Jahren laufende Verarmung der arbeitenden
Bevölkerung, die mit dem Rest der Güter (außerdem billigst fabrizierten Gütern,
Chinaschrott) ihr Leben fristen muß. Dementsprechend sinkt seit Jahren der
Lebensstandard der Durchschnittsdeutschen.
Voraussetzung
zur Abhaltung der Finanzkrise in und ihre Ausweitung auf Deutschland waren die
unter den rotgrünen Schröder/Fischer erlassenen Gesetze zur Reform des
Kapitalmarktes. Circa drei Monate vor der letzten Bundestagswahl erklärte der
weiland großkoalitionäre Finanzminister Steinbrück (SPD) in einem Interview auf
die Frage, warum man denn nicht zunächst als Sofortreaktion zu den Regelungen
zurückkehre, die noch unter Kohl in Kraft waren, dies lasse sich sich bei
"unseren Verbündeten" leider nicht durchsetzen. Hier ist eines der
seltenen Male, wo sichtbar wird, daß es sich um Machtfragen handelt.
Finanzkrise
2010, Griechenland
Als Griechenland
gestattet wurde, den Euro als Währung zu übernehmen, war allen Beteiligten
völlig klar, daß die griechischen Statistiken gefälscht waren. Allen
europäischen Behörden war bekannt, daß die jährlichen Angaben an das
europäische Amt für Statistik gelogen waren, wurde doch gerade von verantwortlichen
einzelnen Griechen immer wieder darauf hingewiesen. Als Entschuldigung oder
Erklärung gab der Leiter von Eurostat an, er sei von Gesetzes wegen angehalten,
den Angaben der Einzelstaaten Glauben zu schenken. Unter anderem diente dieses
Verfahren bislang beispielsweise dazu, den deutschen Beitrag herauf- und die
der anderen herunterzurechnen. Was aber hat Griechenland, wie die anderen
ehemaligen Weichwährungsländer auch, nun realwirtschaftlich gemacht? Sie haben
geldwertmäßig mehr importiert als exportiert und sich den Unterschiedsbetrag
geliehen. Anstrengungen, diesem Übelstande abzuhelfen, haben sie nicht gemacht,
und die Gesamtheit der europäischen Politiker hat stillschweigend zugeschaut.
WARUM? Die
Antwort auf diese Frage kann man gewinnen, indem man die Schlußfolgerungen und
Forderungen der Politiker von LINKE bis FDP zur Kenntnis nimmt. Diese lauten
unisono: Es muß eine europäische Wirtschaftsregierung her! Wer nach
allen Erfahrungen, die wir mit Politikern gemacht haben, noch glaubt, diese
würden erfolgreich wirtschaftend die Interessen der deutschen Bevölkerung
vertreten, glaubt nicht nur ans Christkind, sondern auch noch an den
Osterhasen. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft wäre die gleiche, wie die der
Kranken- und Rentenversicherungen, die von Politikern aller Couleur vollständig
ruiniert worden sind, selbstverständlich ebenfalls aus reinem Altruismus, nur
und ausschließlich, um uns und der ganzen Welt zu *helfen*.
Bekanntlich ist
die deutsche Volkswirtschaft zusammen mit der der Niederlande und Luxemburgs
die einzige noch zahlungskräftige. Es ist aber noch auf folgendes hinzuweisen.
Die Griechen sollten durch das beschlossene 120 Milliarden Euro
"Hilfspaket" keineswegs in den Stand gesetzt werden, ihre Wirtschaft
in Ordnung zu bringen. Lediglich sollte ihnen die Möglichkeit eröffnet werden,
während der drei Geltungsjahre weitere 40 Milliarden Euro Kredite am internationalen
Kapitalmarkt aufzunehmen. Definitiv geht es also nicht darum, den Griechen
dabei zu helfen, irgend eine Art von wirtschaftlicher, haushalterischer Wende
zu vollziehen; im Gegenteil sollen sie weitermachen können wie bisher. Nach
Lage der Dinge ist die Bezahlung des europäischen Konsums die den Deutschen
zugedachte Aufgabe.
Ich möchte aber
nicht den Eindruck erwecken, zu meinen, "wir" würden abgezockt. Keine
Volkswirtschaft kann auf Dauer mehr Geldwert produzieren als konsumieren. Geld
ist ja keine aufspeicherbare Sache, sondern ein nur innerhalb eines Systems
verbürgtes und verbürgbares Recht (s. o.). Dieses System kann international nur
von der oder den machtvollsten Volkswirtschaften der Welt garantiert werden, d.
h. zur Zeit und seit längerem von den USA. Hätte jemand die Vorstellung, diese
duldeten, daß sich ausgerechnet in Deutschland auf unabsehbare Zeit solche
(notwendigerweise internationalen) Rechte ansammelten, zeigte dies allenfalls,
daß er keine Ahnung von den Hintergründen mancher Vorgänge des letzten
Jahrhunderts hat, respektive, worauf diese hinzielten.
Seit dem zweiten
Weltkrieg ist der Dollar die sogenannte Leitwährung. Was das heißt? Das heißt
schlicht, daß nicht Deutschland, nicht die EU und auch nicht Japan und China
das Recht zur unbegrenzten Inflationierung, zur Herstellung von Geld auf
Mausklick haben. Wenn also inflationiert wird, dann nur mit Einverständnis der
USA, falls diese also Interesse daran haben. Wie realisiert sich dieses
Interesse? Zum Beispiel, indem deutsche Banken amerikanische Finanzpapiere
erwerben, die dann uneinbringlich werden (Lehman usw.). Dieses nach den USA
transferierte Geld ist nun nicht einfach verschwunden, sondern die USA
finanzieren ihre Importe damit, während ihre eigene Volkswirtschaft zunehmend
mit der Produktion von Rüstungsgütern beschäftigt werden kann und beschäftigt
wird. Noch der letzte arbeitslose Amerikaner wird dieweil von der Deutschen
Bank mit Geld zum Hausbau bestochen und bemerkt so nicht, was mit seiner Volkswirtschaft
los ist.
Finanzkrise,
europäischer Schutzschirm
Zwei Tage,
nachdem sich das deutsche Gutmenschentum wieder bestens betätigt hat - wir
haben doch nur den armen Menschen, die nichts dafür können, geholfen-, stellt
sich zu Aller ungeheuren Überraschung heraus, daß mit 20 Milliarden Euro viel
zu wenig geholfen ist, nein, es müssen 750 Milliarden zusätzlich her! Diese
wahrhaft historisch famose Einsicht trat aber erst ins Licht der Öffentlichkeit
und wurde befeuert durch Anrufe des ebenso historisch famosen Obama bei den
wichtigsten kontinentaleuropäischen Regierungschefs. Nachdem diese bislang das
Lied der ach so gierigen angelsächsischen Spekulanten gesungen hatten, deren
wühlende Lobbyarbeit leider leider die doch so herbeigesehnte Finanzmarktregulierung
verhindert hätte, wurde der staunenden Öffentlichkeit nun der um die
europäische Stabilität besorgte Obama vorgeführt, und wie vom Blitz getroffen
kam den vereinten Gutmenschen der grünlinken SFDC-Partei die Erleuchtung,
weitere 750 Milliarden neues Geld produzieren zu lassen, Entschuldigung - damit
zu helfen, nur zu helfen...
Wer weiß, daß
sich die USA zur Zeit in einer der größten Aufrüstungskampagnen ihrer
Militärgeschichte befinden (Wechsel von der auf die Fläche bezogenen Atom- zur
punktgenauen, konventionellen Strategie), der weiß auch, welches Interesse der
große Obama, Friedensnobelfürst aller politisch Korrekten (Renate Westermerkel)
an dieser Hilfe hat. Das jahrelange Coaching zum Präsidentendarsteller,
finanziert von der Rüstungslobby, muß sich schließlich auszahlen - nicht in
Geld, das stellt man eben nach Bedarf her, sondern in physischer Macht. Schon
bislang konnte die US-Airforce binnen dreiviertel Stunden gleichzeitig drei
Stellen der Erdoberfläche pulverisieren, dem Vernehmen nach strebt man nach
mindestens zehn. Welche Rolle beim Finanzbedarf die Ergebnisse jener
Arbeitsgruppen spielen, die sich im Pentagon mit der Frage beschäftigen, mit
welchen technischen Mitteln die Welt in 150-200 Jahren beherrscht werden könne
und müsse, entzieht sich meiner Kenntnis.
Mögliche
Beispiele dafür sind das Haarp-Projekt und gewisse technische Ansätze zur
Beeinflussung und Erzeugung von Bewegungen der Erdkruste, der Ozeane und der
Atmosphäre.
Nachbemerkung
Wie ich aus m.
E. zuverlässiger Quelle erfahren habe, werden in der Bundesdruckerei zur Zeit
DM-Noten und Lebensmittelgutscheine gedruckt. Von daher scheint es, als seien
unsere Politjongleure selbst nicht ganz sicher, ob nicht der ein oder andere
Ball zu Boden fällt respektive ihnen ihr Währungssystem um die Ohren fliegt.
Ihre Nervosität ist unter anderem daran abzulesen, daß sie wie weiland Schmidt
und Kohl wieder von Krieg und Frieden munkeln. Nicht, daß dies Geraune nicht
ernstzunehmen wäre. Ich kann die ahistorischen Schreihälse von rechts und
links, die von Generalstreik und Hunderttausenden vorm Reichstag
träumen, nur warnen. Wie sagte Oskar Lafontaine bei seinem ersten Auftritt nach
seinem Rücktritt von allen Ämtern abends in der ARD bei Sabine Christiansen,
unserer Flugbegleiterin in eine je lichte demokratische Zukunft, auf ihre Frage
nach dem Grund *wörtlich*: Es ging schließlich um die Frage, wer regiert
eigentlich die Welt?
Tja, Oskar, wer
regiert sie denn, und womit tut er es? Und nun wirklich entscheidend: Was, zum
Teufel, will er damit anfangen?