„Die Wähler wollen betrogen
werden“
B. Ullrich
So lautete die Überschrift
eines Artikels im Kölner Stadt-Anzeiger vom 13. Juli 2009. Diese Behauptung
stammt von einem 45-jährigen Professor und Politikwissenschaftler, dem Chef
der Stiftung Marktwirtschaft Michael Eilfort (Ja, forteilen
sollte er, ehe ihn der Zorn der „Wähler“ eineilt). Eilfort will damit
sagen, daß eine Partei, „die den Wählern reinen Wein einschenkt“, am Wahltag
„abgestraft“ wird. In dem ganzen Artikel dreht es sich um Fragen wie Wahlgeschenke,
Steuerlügen und Staatsausgaben. Während Eilfort die Erhöhung von Renten,
Hartz-IV-Beziehern und Subventionen geißelt, geht er nicht mit einem einzigen
Wort auf die gigantischen Zahlungen an marode Banken ein. Auch die massive
Begünstigung von Autokäufern und kriminellen Pseudoverschrottern und
Altwagenverschiebern ist ihm nicht der Rede wert. Für Wahlkampfbeschönigungen
macht er „eher den Wählern Vorwürfe als den Parteien. Wähler spüren, daß etwas
nicht geht, verlangen es aber trotzdem.“ Das erinnert an Münteferings Ausspruch
aus 2006, daß es unfair sei, Parteien an ihren Wahlkampfversprechen zu messen.
Wähler wollen betrogen
werden. Und überhaupt - alle Opfer wollen betrogen werden. Oder beraubt,
überfallen, vergewaltigt, verprügelt... selber schuld. Nicht clever genug,
nicht schnell genug, nicht stark genug, zu leichtsinnig, zu vertrauensvoll,
verführerisch angezogen, im falschen Moment s’ Maul aufgemacht... selber
schuld!
Eilfort, früherer Berater
von Friedrich Merz, liegt wohl voll „im Trend der Zeit“. Wir wollen ihn mal
aufklären:
Nein, Herr Eilfort, Sie
irren sich gewaltig! Wähler wollen weder vor der Wahl belogen noch anschließend
betrogen werden. Jeder, der wählen geht – und es werden immer weniger -, der
will, daß sich nicht einfach nur etwas ändert, sondern verbessert
(es sei denn, er wählt aus bloßer Gewohnheit, oder um den derzeitigen Zustand
zu erhalten). Aktuell nimmt er wahr, daß die „Große Koalition“ unser Land mit
großen Schritten näher an den Abgrund geschoben hat. Finanzkrise dank zockender
Landesbanken, steigende Staatsverschuldung, schrumpfende Wirtschaft,
Rentenaltererhöhung, chaotische Gesundheitsreform, Krieg in Afghanistan, keine
Abstimmung über EU-Vertrag, auswuchernde Überwachung, hohe Kriminalitätsrate,
Einschränkung persönlicher Freiheiten, Ökodiktatur, Pandemiehysterie – und über
allem schwebt die Aussicht, daß alles noch schlimmer kommen wird. Da ist es
doch verständlich, daß der Wähler sich an jeden Strohhalm klammert, der ihm im
Wahlkampf hingehalten wird. Aber - die Menschen wollen nicht betrogen
werden, sondern einen Ausweg aufgezeigt bekommen! Daß jede der 2 Parteien der Großen
Koalition nun behauptet, es alleine besser zu können, wird hoffentlich
niemand glauben. Gewinnen werden diesmal die Parteien, die bislang mangels
Stimmen noch nie gezwungen waren, irgendwelche Wahlversprechen zu erfüllen.
Parteien, die theoretisch gegen all das sein können, was die „Parteien
der Mitte“ uns eingebrockt haben. Vielleicht sogar Parteien, die „die
Systemfrage“ stellen. Auf die Lügen der Altparteien fallen doch nur noch
chancenwitternde Randgruppen, denkferne Wahrnehmungsverweigerer und die eigenen
Mitglieder herein.
Die Grundlage menschlichen
Miteinanders ist das Vertrauen. Und das haben die Parteien im
Politkasino der BRD längst verspielt!