Eine Milliarde Menschen auf der Welt leiden Hunger“

B. Ullrich

Der Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom 22.6.09 zeigt ein Bild, auf dem eine Mutter aus Bangladesh Pulver aus einem teebeutelgroßen Tütchen in eine Schüssel rieseln läßt, um ihr Kleinkind damit zu füttern. Welche Lösung bietet die Autorin gegen das Hungern an? Unterstützung der Agrarforschung, Senkung der „Treibhausgase“ und des Wasserverbrauchs in der Landwirt­schaft, Auslaufenlassen der Exportsubvention aus den „Ländern des Nordens“ (der einzige Punkt, der richtig erscheint), und natürlich den Kernpunkt des ganzen Artikels, den vermutlich eigentlichen Sinn dieser Ausführungen: „Auf Großlandwirtschaft und Gentechnik wird man wohl in dieser Lage nicht verzichten können.“

Kein Wort über die Umwandlung von Entwicklungsländern in industrielle Bil­liglohngebiete, über die systematische Zerstörung heimischer Kleinbauern-Landwirtschaft durch „Strukturreform“-Forderungen von IWF und Weltbank bei gleichzeitiger Totalverschuldung und Regierungsentmachtung!

Wer wissen will, wie man „den Hunger überwinden“ kann ohne Reduzierung/Beseitigung der hungernden Menschen, dem sei das Büchlein „Vegetarisch leben“ von Armin Risi empfohlen. Dort steht, daß nach dem 2. Weltkrieg global agierende Konzerne bäuerliche Kleinbetriebe aufkauften und in riesige Agrarbetriebe mit Monokulturen umwandelten, wobei durch Manipu­lation des Bodens mittels schwerer Landmaschinen, Düngemittel und giftiger Chemikalien Überproduktionen erzeugt wurden. So kam die Idee auf, mit den Überschüssen Tiere zu mästen und gewinnbringend zu vermarkten. Für ein Kilo Rindfleisch werden 10 Kilo Getreide benötigt, für 1 Kilo Geflügel immer noch 4 Kilo Getreide. Um diese dadurch entstandenen Fleischberge den Men­schen schmackhaft zu machen, wurden die Parolen ausgegeben, daß Fleisch gesund sei, der Mensch viel tierisches Protein benötige und Vegetarier unter Mangelerscheinungen leiden – alles längst widerlegte Zwecklügen geldgie­riger, gewissenloser Konzerne!

Die Folgeerscheinungen des übermäßigen Fleischgenusses in den sog. Industrieländern füllen wiederum die Taschen der „Gesundheitsindustrie“. Während also bei uns die Menschen an zu viel falscher Ernährung leiden, hungert in den „Tierfuttererzeugungsländern“ die lokale, ehemals kleinbäuerliche Bevölke­rung. Durch die Ausbeutungspolitik der Plutokratenhilfsorganisationen IWF und Weltbank werden Länder der „Dritten Welt“ gezwungen, in Monokulturen Futtermittel für den Export anzupflanzen, um mit den Erlösen ihre Schulden bei den Plutokratenhilfsorganisationen Banken zu begleichen. Ein perfekter, für alle Beteiligten krankmachender bis tödlicher Kreislauf! Während wir uns „mit Messer und Gabel umbringen“, sterben andernorts Menschen, weil sie dafür die Futtermittel anpflanzen müssen, anstatt Getreide und Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. Und anstatt bei uns die Biologische Landwirtschaft zu fördern, wandern die EU-Agrarsubventionen zu den Großerzeugern, lt. Greenpeace vor allem zu Adelshäusern, Großbetrieben und der Agroindustrie.

Den Liebhabern billiger Fleischwaren ist zumeist nicht bewußt, wie teuer sie der Fleischkonsum tatsächlich kommt. Alle Subventionen für die Fleisch– und Futtermittelindustrie werden schließlich aus Steuermitteln aufgebracht. Die durch übermäßigen Fleischkonsum entstehenden gesundheitlichen Schäden führen zu unzähligen Arztbesuchen, zu Medikamentenkonsum, Klinikaufent­halten – kurz, zu immensen Kosten im Gesundheitswesen, was sich in der Höhe der Krankenkassenbeiträge niederschlägt. Hinzu kommt die Massen­flucht hungernder Menschen aus Ländern der Dritten Welt in die vermeintlich reichen Industrieländer – deren Industrie jedoch längst großenteils ausgelagert und durch zahlreiche, im Grunde überflüssige, Dienstleistungen ersetzt wurde. Die Bedürfnisse dieser Menschenmassen (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Anwälte, staatliche Betreuer, Asylantragsbearbeiter, ggf. Gefängnisaufenthalte oder Rückflüge usw.) müssen ebenfalls aus Steuergeldern aufgebracht werden. Würde man all diese Kosten, zuzüglich derer, die ich vergessen habe aufzufüh­ren, umlegen auf den Fleischpreis, so würden sich viele der genannten Proble­me bald von selbst erledigen.

Wohlgemerkt, hier soll niemandem der Sonntagsbraten vermiest werden. Aber es ist noch nicht so lange her – die älteren unter unseren Lesern erinnern sich gewiß noch an diese Zeit -, daß der jetzt tägliche Fleischkonsum noch ein sonntäglicher Fleischgenuß war und all die oben aufgeführten Folgeerschei­nungen unbekannt waren. Und es ist ein erhellendes Beispiel dafür, wie durch profitgieriges Verhalten in nur wenigen Jahrzehnten natürliche Verhältnisse global aus dem Gleichgewicht gebracht werden, was dann Vorwände zu wei­teren „Scheinlösungen“ liefert, wie Gentechnik, Intensivierung der Landwirt­schaft und anderen Maßnahmen, die wiederum immer denselben Profiteuren nutzen.

 

Der gute Vorsatz für das neue Jahr

Wer für sich selbst, seine Kinder und die nachfolgenden Generationen, sein Heimatland und den Rest der Welt etwas Gutes tun will, dem sei nahegelegt, sich einmal mit den Folgen seines Fleischkonsums zu beschäftigen. Hier ein paar Zahlen aus dem Buch „Vegetarisch leben“:

Um ein Rind 1 Jahr lang zu mästen, werden 0,5 Hektar Land benötigt = 5.000 qm. Statt rund 300 kg eßbarem Fleisch hätte man dort 2.000 kg Getreide oder 15.000 kg Kartoffeln in Bio-Qualität anpflanzen können.

Für einen einzigen Hamburger (Rindfleischklops) müssen 4-5 qm Regenwald gerodet werden, um Futtermittel anzupflanzen.

Der tropische Regenwald, die grüne Lunge unseres Planeten, nimmt durch Ro­dung täglich um 30.000 Hektar ab! Eine Tatsache, die bei der ganzen Klimadebatte – wenn überhaupt – nur am Rande erwähnt wird, wodurch sich diese Debatte von selbst als Betrug entlarvt.

Durch die Masttierhaltung fallen allein in Deutschland mehr als 3 Tonnen Jauche pro Einwohner an. Diese Jauche enthält auch Medikamentenrück­stände. Sie kommt als Gülle zum Düngen und zum „Entsorgen“ auf die Felder, tötet dort wichtige Mikroorganismen und sickert ins Grundwasser, in die Ge­wässer und somit in die Meere.

Für die Erzeugung von nur 1 kg Rindfleisch werden über 15.000 l Wasser für Mast, Stallreinigung und Schlachthof benötigt. Auch dieses Dreckwasser verseucht Gewässer und Grundwasser.

Das Leben eines Schlachttieres in der Massentierhaltung ist von Anfang bis Ende schöpfungswidrig – die Auswirkungen auf die Menschen, die im Tier-, Transport- und Schlachtbetrieb beschäftigt sind, dürften verrohend und seelen­tötend sein.

Das Tier wird nicht mehr, wie früher üblich, als Mitgeschöpf betrachtet, son­dern als Fleischproduktionsmaschine. Wie steht ein Mensch, der gegenüber Tieren so denkt und fühlt, wohl zu seinen Mitmenschen?