Jeder Patient ein
Versuchskarnickel?
B. Ullrich
Wenn man sich die
einschlägigen Berichterstattungen zum Thema Krebsbehandlung anschaut, kommt
man nicht um den Eindruck herum, daß jede schulmedizinische Behandlung
eines Krebskranken ein Experiment ist, und zwar eines mit fraglichem
Ausgang. Weder weiß die Schulmedizin die Ursachen für Krebserkrankungen zu
benennen, noch gelingt es ihr, die Anzahl der Krebstodesfälle zu reduzieren.
Stellvertretend für zahlreiche Artikel ähnlichen Inhaltes, in denen
erfolgreiche Therapien in Aussicht gestellt wird, zitieren wir nachfolgend aus
den „zahnärztlichen Mitteilungen“ 19/2001, unter dem Titel „Neue Anti-Krebsstrategien“.
Die Hervorhebungen in Fettdruck sind nicht original.
„Die traditionelle
Tumortherapie besteht - abhängig von der jeweiligen Krebsform - in der
operativen Entfernung der Geschwulst sowie der Chemo- und der Strahlentherapie1.
Allerdings ist bislang durch solche Therapieformen ein Durchbruch bei
der Krebstherapie nicht zu erzielen gewesen. Die Krebsforscher setzen
deshalb vermehrt auf neue Behandlungsoptionen. Verschiedene neue
Anti-Tumorstrategien stehen derzeit an der Schwelle der experimentellen
Medizin und halten zunehmend Einzug in die Klinik.
So wird bei manchen Tumoren
schon fast routinemäßig mit monoklonalen Antikörpern behandelt und es wird
versucht, per Hyperthermie die Effekte der Strahlen- und der Chemotherapie
zu verstärken. Ein weiterer neuer Ansatz ist die Therapie mit
Wirkstoffen, die auf die Signaltransduktion der Zelle, also direkt auf die
Übertragung von äußeren Reizen auf Botschaften in den Zellkern und damit auf
die Regulation und Expression von Genen, Einfluß nehmen. Gearbeitet wird
ferner an der Entwicklung gentherapeutischer Protokolle sowie an
Wirkstoffen, welche die Gefäßneubildung (Angiogenese) hemmen und den Tumor so
regelrecht "aushungern".
... Wohl das bekannteste
Beispiel für einen Antikörper in der Krebstherapie ist das Trastuzumab,
bekannter unter dem Warenzeichen Herceptin. Die Substanz bindet an den
Wachstumsfaktor Her-2/neu, der bei etwa einem Drittel der Patienten mit
Mammakarzinom überexprimiert wird. Verglichen mit der alleinigen Chemotherapie kann
durch die Kombination mit Trastuzumab eine deutliche Steigerung des
therapeutischen Effektes erwartet werden. Wegen der nicht
unerheblichen Nebenwirkungen (kardiale Toxizität) ist die Anwendung derzeit
aber noch auf klinische Studien beschränkt.2
... Bei einem anderen Ansatz wird mit Lymphozyten aus
dem Tumorgewebe gearbeitet, die mit Zytokingenen versetzt werden. Es bilden
sich tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL), welche beim malignen Melanom erprobt
werden. Die Ansprechrate auf eine solche Behandlung liegt in den ersten
Versuchen bei 50 Prozent. Allerdings ist das Verfahren äußerst aufwändig und
bisher nur unzureichend erprobt.
... Bereits seit Jahren wird
ein weiteres Verfahren erprobt und zwar die Hyperthermie, also die Überwärmung des
Tumors. Das Verfahren ersetzt weder die Chemotherapie noch die
Strahlentherapie, kann aber möglicherweise deren therapeutische Effekte
verstärken.
...Die Kombination mit einer
Strahlen- und Chemotherapie wurde bei Kopf- und Halstumoren erprobt,
beim Rektumkarzinom und auch bei Keimzelltumoren, und das mit ermutigenden
Ergebnissen, wenngleich der tatsächliche Stellenwert der Hyperthermie
bislang noch nicht endgültig abzuschätzen ist.