Anglo-arabische
Zusammenarbeit
B. Ullrich
Immer wenn es etwas Spannendes aus den arabischen
Ländern zu berichten gibt, taucht ein Name garantiert auf: Al Jazeera, auch El
Dschasira geschrieben, der Fernsehsender des Emirs von Katar. Am 1. November 1996
nahm der Sender des kleinen Emirats am Golf unter Mithilfe von 17 früheren
BBC-Mitarbeitern seinen Betrieb auf. Mittlerweile sendet er aus 65 Ländern,
wobei sein englischsprachiger Sender angeblich 190 Millionen Menschen erreicht.
Der Besitzer dieses kleinen Informationsimperiums, Scheich Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim
bin Muhammed Al Thani (ja, nicht nur Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob
Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg braucht viel
Platz im Paß) machte 1971 den Abschluß an der Royal Military Academy
Sandhurst im Vereinigten Königreich, wo übrigens auch Muammar
al-Gaddafi ausgebildet wurde. 1995 setzte er seinen Vater als Emir ab und
begann, das Land an die „westliche Lebensweise“ heranzuführen. Lt. WIKIPEDIA
ist der Emir
„einer
der wichtigsten Verbündeten der USA in der Golfregion: Gemeinsam mit seiner
Erstfrau (er hat insgesamt 3) Sheikha Mozah bint Nasser al Missned, Soziologin
und amtierende Erziehungsministerin von Katar, gründete er in Doha sechs
amerikanische Universitäten mit live übertragenen Vorlesungen aus den USA.“
Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb dem Sender „El
Dschasira“ am 17. Februar 2011 eine „wichtige Rolle beim Umsturz in Ägypten“
zu.
„Für
Ägypten, genauso wie zuvor in Tunesien oder jetzt in Bahrain, Jemen, Kuwait und
Jordanien ist der in Katar ansässige Sender die wichtigste Informationsquelle
der Bevölkerung über die dramatischen Ereignisse im eigenen Land.“
Genau - wer will schon wissen, was die eigene
Regierung an Propaganda verbreitet. Deren Klarstellungsversuche gehen im
allgemeinen Geschrei und medialem Getöse unter. Jemens Präsident bat den Emir
zwar, beim Sender zu intervenieren, „um die Lage zu beruhigen und um dessen
Provokationen, Verdrehung der Fakten und Übertreibungen“ zu unterbinden –
jedoch ohne Erfolg.
Der Generaldirektor des Senders, Wadah
Khanfar, sprach gar von einem „neuen Ökosystem, das zwischen herkömmlichen und
neuen Medien entstanden sei.“ Er meinte damit die Anreicherung des
Fernsehprogramms mit privaten Videoaufnahmen aus den Computernetzwerken Youtube
und Facebook, die quasi eine Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung trotz Zensurmaßnahmen
ermöglichte. Revolutionen Live sozusagen.