Immer wieder – Angriffe auf
unsere Nahrung
B. Ullrich
Während die großen Saatgutkonzerne wie Monsanto mit ihren
genmanipulierten Produkten in aller Munde sind, werden an verschiedenen
Universitäten in der BRD Forschungen mit allen möglichen gentechnisch
veränderten Pflanzenarten durchgeführt, ohne daß dies in der kritischen
Öffentlichkeit bekannt wird. Ob Auswirkungen von BT-Mais auf Schmetterlinge
(RTWH Aachen) oder Bienen (Uni Bayreuth), Bioplastik-Kartoffeln im Freiland
(Uni Rostock), genmanipulierte Apfelbäume in Dresden oder veränderte Gerste in
Gießen – es wird geforscht, was gewünscht wird oder machbar ist oder welche
Auswirkungen es haben könnte.
Die Begründung z.B. für das Experimentieren mit Äpfeln mutet recht
abenteuerlich an. So argumentierte im Jahr 2003 die Leiterin des Instituts für
Obstzüchtung in Dresden-Pillnitz, Frau Dr. Viola Hanke, ganz im Sinne einer
gleichschaltenden „Neuen Weltordnung“: „Ob ein transgener Apfel in Deutschland eine
Chance hat, kann man sicherlich nicht für Deutschland allein beantworten, sondern
man muß in diesem Zusammenhang den Weltmarkt und den europäischen Markt
betrachten, da auch für die Apfelproduktion eine Globalisierung zu verzeichnen
ist. ... Die aus der konventionellen Pillnitzer Züchtung hervorgegangenen
resistenten Sorten sind von großer Bedeutung für bestimmte lokale Anbaugebiete
und für spezielle obstbauliche Produktionsformen. Sie entsprechen aber nicht
den Qualitätskriterien, die gegenwärtig an eine Weltsorte gestellt werden (Anm.:
Von WEM gestellt? Wer bestimmt, was eine „Weltsorte“ sein soll?). Das kann
sich in der weiteren Züchtung ändern. Die Bestrebungen der auf dem Gebiet der
Gentechnik arbeitenden nationalen Gruppen richten sich daher eher auf die
Verbesserung einer Weltmarktsorte. Dazu muß man wissen, daß lediglich vier
Apfelsorten die Weltproduktion bestimmen. Im Jahre 2010 rechnet man damit, daß
12 Monate im Jahr die wichtigsten Sorten angeboten werden, die in
unterschiedlichen Ländern produziert worden sind. Diese Sorten sind im Übrigen
alle anfällig gegenüber Krankheiten.“1
Mit anderen Worten, die regionale Sortenvielfalt soll auf längere
Sicht einigen genmanipulierten Welteinheitssorten weichen!
Auch mit Wein wird schon heftig herumexperimentiert, wie uns der
Leiter des Forschungsschwerpunktes Rebenbiotechnologie am AlPlanta Institut für
Pflanzenforschung in Neustadt a. d. Weinstraße, Herr Dr. Goetz Reustle,
erläutert: „Mit der klassischen Kreuzungszüchtung erzeugt man neue Sorten, die
werden vom Markt nur schwer angenommen. Wenn ich einen Riesling mit einer pilzresistenten
Sorte kreuze, dann sind die Nachkommen kein Riesling mehr. Das sind die Grenzen
der klassischen Züchtung. Daher hat der Weinbau auch das Interesse an
Gentechnik. Wenn wir das oder die für Pilzresistenz verantwortlichen Gene in
einen Riesling einbringen, dann bleibt es ein Riesling.“
BioSicherheit: „Im Moment ist noch kein gentechnisch veränderter Wein am
Markt. Kann er sich in naher Zukunft durchsetzen?“
Goetz Reustle: „Der erste Schritt werden gentechnisch veränderte,
virusresistente Unterlagensorten sein, denn Viruskrankheiten bei Reben kann man
nicht durch klassische Züchtung angehen. Aber ich glaube nicht, daß innerhalb
der nächsten fünf Jahre transgene Unterlagen auf dem Pflanzgutmarkt angeboten
werden. Bisher stehen gentechnisch veränderte Unterlagen nur als Freisetzungsversuche
in Frankreich und Amerika. In Italien werden zu Versuchszwecken ebenfalls
gentechnisch veränderte Reben angebaut. Die Weinproduzenten sind auf den
europäischen Markt angewiesen, sie wissen, daß sie ihre Produkte vor allem in
Europa verkaufen müssen. Deshalb orientieren sie sich sehr an der Akzeptanz der
Konsumenten für Produkte, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt wurden.
Solange in Europa Gentechnik im Nahrungsmittelbereich in breiter Front
abgelehnt wird, wird es keiner wagen, diesen Weg zu beschreiten.“2
Zum Glück, möchte man da ausrufen! Allerdings verbreiten die
Medien immer wieder die schlechte Nachricht, daß genmanipulierte Nahrungsmittel
durch die Hintertür Einlaß und Verbreitung finden und dies „unaufhaltsam“ und
„unvermeidbar“ geworden sei.3
Wie „blauäugig“ – oder durchmanipuliert – die BRD-Forscher schon
sind, kann man dem nachfolgenden „Offenen Brief“ an die Apfelbaumforscherin Dr.
Hanke entnehmen, der ihre kompletten Ausführungen widerlegt. (siehe Heft)