Integrationsverschiebung

B. Ullrich

Das BRD-Bundesland NRW hat eine „Werbeoffensive“ in den Schulen gest­artet, mit dem Ziel, daß die Schulleitungen „mehr Lehrer mit Zuwanderungsge­schichte“ – also Auslandstämmige – einstellen. Von der Schulministerin Bar­bara Sommer wird das wie folgt begründet: „Wir brauchen mehr solcher Lehr­kräfte an unseren Schulen, weil sie mit ihren kulturellen, mehrsprachigen und fachlichen Kompetenzen dazu beitragen können, die Lernerfolge von Schüle­rinnen und Schülern mit ausländischen Wurzeln zu verbessern“.1 Was die deut­schen Lehrkräfte in Klassen mit hohem Ausländeranteil nicht schaffen, das sollen nun Ausländer für Ausländer richten. Beispielhaft berichtet die Zeitung über einen türkischen Lehramtstudenten, der an einem Privat-Gymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet. Seine türkische Abstammung sei „hilf­reich im Unterricht, weil er die Probleme der türkischen Jugendlichen besser als deutsche Kollegen versteht“. Fein – und wie hilfreich ist die türkische Ab­stammung bei Kindern von Kurden, Angolanern, Arabern, Polen, Chinesen, Russen, Albanern usw.? Mindestens die Hälfte aller Jugendlichen in Köln stammt nicht aus Deutschland, sie kommen aus über 120 Nationen – wenn auch die Türken die größte Gruppe darstellen. Wieviel mehr „kulturelle Kom­petenz“ als eine deutsche Lehrkraft hat ein Türke (oder ein von Sonstwoher stammender Lehrer) in Deutschland vor einer „multinationalen“ Klasse?

Unterm Strich geht aus dem Artikel klar hervor, daß ein Kind immer noch am besten lernt, wenn die Lehrkraft aus dem eigenen Sprach- und Kulturkreis stammt. Klar kann ein türkischer Lehrer türkische Kinder besser verstehen als eine deutsche Lehrerin – und umgekehrt gilt das gleiche für deutsche Kinder. Deutsche Kinder sind aber für Frau Sommer nicht von Interesse, gehören sie doch zumindest in NRW zu einer aussterbenden Spezies.

Ausgesprochen interessant ist die Bemerkung einer „Projektmanagerin für den Förderunterricht für Migranten bei der Essener Mercator-Stiftung“:

„Viele deutsche Lehrer können sich kaum vorstellen, wie schwierig es ist, in einer fremden Sprache zu lernen.“

Diese Erkenntnis, daß es schwierig ist, nicht nur die fremde Sprache, sondern obendrein noch die in ihr vermittelten Lerninhalte zu lernen, entlarvt die ganze Hinterhältigkeit derer, die in unserem Deutschland zunehmend Schulfächer und Studiengänge auf die fremde englische Sprache umstellen! Was also bei freiwillig eingewanderten Ausländerkindern zunehmend scheitert – das Lernen in einer anderen als der Muttersprache -, wird unseren Kindern als „fortschrittlich“ und „weltoffen“ im eigenen Land aufgezwungen. Oder sollten unsere Kinder etwa klüger und „sprachkompetenter“ sein als die fremden?

Wie man es auch dreht und wendet – die zerstörerische Absicht hinter dem ganzen Integrationsgeschwätz ist offenkundig! Mit zunehmender Anzahl aus­ländischer Lehrkräfte an deutschen Schulen, bei ebenfalls ansteigenden Zahlen ausländischer Schüler, werden keine Ausländer in die BRD „integriert“, son­dern unsere deutschen Kinder in eine dem eigenen Wesen immer fremder werdende Allerweltsgesellschaft.

Oder sollte etwa – man wagt es kaum zu hoffen – eine Integration hier gebo­rener Ausländerkinder in ihre Heimat vorbereitet werden??

1 Alle Zitate aus Kölner Stadt-Anzeiger 11.8.09