Torsten Mann www.info.kopp-verlag.de
Unter der Überschrift „Reißt
die Mauern ein und rettet die Welt“ vergleicht Gorbatschow die angebliche
Gefahr durch den Klimawandel mit der Bedrohung durch das atomare Gleichgewicht
der Supermächte, wie es bis zum Ende des Kalten Krieges bestanden hatte. Der
Klimawandel erfordere einen ähnlich umfassenden Paradigmenwechsel, wie er nötig
gewesen sei, um den Kalten Krieg zu beenden. Wörtlich schrieb er, dazu sei ein
ähnlicher Umbruch „unserer Werte und Prioritäten“ wie damals nötig. Im
Gegensatz zu der Situation vor 20 Jahren gelte es heute, nicht nur eine Mauer
einzureißen, sondern viele Mauern, so etwa die „Mauer“ zwischen den
Industriestaaten und den Entwicklungsländern, sowie die „Mauer“ zwischen
jenen, die den Klimawandel verursachten und jenen, die unter den Folgen zu
leiden hätten. Es gebe auch eine Mauer zwischen jenen, welche die
„wissenschaftlichen Beweise“ für eine drohende Klimakatastrophe beachteten und
jenen, die stattdessen „berechtigten Interessen nachgeben“. Eine solche Mauer
bestünde ebenso zwischen jenen Bürgern, die ihr eigenes Verhalten veränderten
und eine starke globale Aktion wünschten und jenen Politikern, die diese Bürger
bislang im Stich ließen. Genau wie damals die Deutschen ihren Willen zum
Ausdruck brachten, so Gorbatschow, und damit die Politiker zwangen, die
Berliner Mauer zum Einsturz zu bringen, so würden auch heute die Völker der
ganzen Welt ihren Willen bekunden, daß etwas gegen den Klimawandel und die
damit verbundenen „tiefen Ungerechtigkeiten“ in der Welt unternommen werde.
Damals, so behauptet Gorbatschow, hätten die Führer der Welt geglaubt, daß
künftige Generationen fähig seien, die Herausforderungen gemeinsam zu lösen.
Aber angesichts der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich, angesichts der
Verantwortungslosigkeit, die in die globale Finanzkrise geführt habe und
angesichts der schwachen Antwort auf den Klimawandel fühle er sich heute
verbittert, denn die Chancen von damals, eine „sicherere, gerechtere und
vereintere Welt“ zu bauen, seien weitgehend verschwendet worden. Ähnlich wie
Tausende friedlich demonstrierende DDR-Bürger 1989 angeblich den Mauerfall
herbeigeführt hätten, so soll der erklärte Wille der „Völker der Welt“ die
Politiker nun dazu bewegen, auf die im Dezember stattfindende Klimakonferenz
nach Kopenhagen zu fahren und die besagten Mauern von heute einzureißen.
Selbstverständlich ist
dieser Vergleich sehr weit von der Wahrheit entfernt und keiner weiß dies
besser als Gorbatschow selbst. Tatsache ist, daß der Mauerfall von 1989
keineswegs das Ergebnis des friedlichen Protests des (ost-)deutschen Volkes
war, vielmehr war der Abbruch der Berliner Mauer von sowjetischen Agenten im
Auftrag des Kreml planmäßig herbeigeführt worden, denn er war ein fester
Bestandteil der sowjetischen Langzeitstrategie und war als solcher vom
KGB-Überläufer Major Anatoliy Golitsyn auch bereits Jahre im voraus öffentlich
angekündigt worden. Der friedliche Protest in der DDR war in diesem Szenario
lediglich schmückendes Beiwerk, das ebenso von oben inszeniert wurde wie der
gegenwärtige umweltbewegte Protest zahlreicher Nicht-Regierungs-Organisationen,
die als eine Art Attrappe den „Willen der Völker der Welt“ imitieren und so
öffentlichen Druck auf die Politiker der westlichen Welt ausüben sollen, damit
diese sich im Dezember in Kopenhagen zu einer ökosozialistischen Umgestaltung
der westlichen Lebensgrundlagen verpflichten.
Diese Umgestaltung
(russisch: Perestroika) der westlichen Welt ist es, die Gorbatschow mit seinem
Appell bewirken will, und wenn er vor dem Hintergrund der während des
Erdgipfels 1992 gestarteten Klimarahmenkonvention, der Agenda 21, und der
Biodiversitätskonvention dazu aufruft, eine „sichere, gerechte und vereinte
Welt“ zu bauen, dann ist dies als eine moderne, grüne Variante des
marxistisch-leninistischen Klassenkampfes früherer Zeiten zu verstehen.
Tatsächlich ist die Quintessenz seines 2003 erschienenen Buches Mein
Manifest für die Erde de facto nichts weiter als eine in grüne Phrasen
gehüllte Aufforderung zur Errichtung einer globalen sozialistischen Einheitsgesellschaft,
die von seinen Vorgängern von Lenin bis Tschernenko noch ganz offen als der
„Weltkommunismus“ bezeichnet wurde. Auch Gorbatschow selbst hatte zum Jahrestag
der Oktoberrevolution noch im Jahr 1987 gesagt: „Im Oktober 1917 brachen wir aus
der alten Welt aus, lehnten wir sie endgültig ab. Wir gehen einer neuen Welt
entgegen, der Welt des Kommunismus. Von diesem Weg werden wir nie
abweichen!“
Wie man seinen eigenen
Aussagen entnehmen kann, ist Gorbatschow noch immer derselbe Kommunist wie
früher, nur versucht der einstige KPdSU-Generalsekretär den Weltkommunismus nun
offensichtlich unter grünem anstatt wie zuvor unter rotem Vorzeichen zu
errichten. Die Farbe mag sich geändert haben, die ideologische Basis ist
jedoch noch immer dieselbe. Und wie man an den Reaktionen auf Gorbatschows
Artikel sieht, hat er mit seinem Anliegen heute mehr Erfolg denn je, denn eine
nach Jahrzehnten der vorsätzlichen Täuschung eingeschläferte westliche
Bourgeoisie fällt heute mehr denn je auf die aus Moskau stammenden roten Lügen
in grünem Gewand herein.
Buchvorschlag: Torsten Mann:
„Rote Lügen im grünen Gewand“ – der kommunistische Hintergrund der
Öko-Bewegung, Kopp Verlag