Zocken ohne Risiko
B. Ullrich
Wer den – leider weit verbreiteten
und ernsthaft geglaubten - Spruch erfunden hat „Es gibt nichts älteres als die
Zeitung von gestern“, dem gebührt der erste Preis im Nebelkerzenwerfen.
In einem fast 6 Jahre alten
Artikel aus dem Handelsblatt[1]
wird über eine Kanzlerrunde berichtet, der damals noch Gerhard Schröder, Hans
Eichel und Wolfgang Clement angehörten, zu der sich die führenden Kräfte der
Banken- und Versicherungsbranche hinzugesellten. In dieser illustren Runde
machte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, den Vorschlag
zur Gründung einer Auffanggesellschaft für notleidende Kredite, eine
sogenannte Bad Bank. Im Februar 2003!
Eine solche „Schlecht-Bank“ soll
dazu dienen,
„Kredite Not leidender Banken zu
bündeln, als Wertpapier zu verpacken und wieder zu verkaufen. Zur Entlastung
solle der Staat für die Risiken einstehen und eine Garantie abgeben, hieß es
weiter.
Die Großbanken und Berlin sind über die Veröffentlichung massiv
verärgert. "Damit ist der deutschen Finanzindustrie ein Bärendienst
erwiesen worden", kommentierte ein Banker. Das sei eine massive
Rufschädigung. Der Sprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Matthias
Fritton, wies Spekulationen, die bundeseigene Bank arbeite am Aufbau einer Bad
Bank, kategorisch zurück: "Die KfW ist an derartigen Überlegungen nicht
beteiligt." Aus Berlin war zu hören, daß die Kreditinstitute ihre Probleme
selbst schultern müßten. Sie könnten nicht beim Staat abgeladen werden.“
Ja, das waren Zeiten, als Ackermanns Supervorschläge noch auf
Widerstand stießen. Was wäre wohl geschehen, wenn man eine solche Auslagerung
von Risikokrediten bereits 2003 vorgenommen hätte? Vermutlich säßen die
beteiligten Banken oder aber der Staat/Steuerzahler als Garant heute noch
tiefer in der Klemme, denn Auslagern heißt nicht, daß sie spurlos
verschwinden, und Risikoverminderung verführt außerdem zur Unvorsichtigkeit.
Die Deutsche Bank selber wollte damals aber keine Darlehen bei
der Auffanggesellschaft unterbringen. Das erinnert doch sehr an den
Rettungspaketvorschlag von 2008, der ebenfalls von Ackermann aufgebracht wurde,
wobei er selbst die Annahme von Staatsgeld für seine Deutsche Bank weit von
sich wies. Ackermanns Vorschläge sind immer nur gut für die anderen.
Der Artikel von 2003 enthält noch einen weiteren interessanten
Hinweis auf eine finanztechnische Weichenstellung:
„Bei der Kanzlerrunde, an der auch
KfW-Chef Hans W. Reich teilnahm, wurde nach Informationen des Handelsblatts
unter anderem darüber gesprochen, wie die Verbriefung von Bankkrediten über
die KfW rasch weiterentwickelt werden kann. Durch die Verbriefung können
Kredite an Großanleger verkauft und gleichzeitig die Bankbilanzen entlastet
werden. Künftig sollen offenbar mehr Banken in größeren Volumina die
KfW-Verbriefungen in Anspruch nehmen.
In einem Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Reich bereits
angekündigt, daß der Bund an der Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen
für Verbriefungen arbeitet. Reich sagte: "Der deutsche Markt wird bald
einen weiteren Schritt nach vorne machen können, weil die Bundesregierung die
für diese Transaktionen nötigen Zweckgesellschaften von der Gewerbesteuer
befreit.“
So haben die Genossen der Bosse beizeiten für ein
zockerfreundliches Geschäftsklima in der BRD gesorgt. Wer nahe am Abgrund
steht, der sollte sich einen Schritt nach vorn gut überlegen!
Wir machen einen Sprung zum Heiligabend 2008. „Bad bank“ –
gute Idee? kalauert der Kölner Stadtanzeiger und berichtet über den
Vorschlag von Josef Ackermann – von wem auch sonst? –, die faulen Kredite der
Banken und die damit verbundenen „Wert“papiere aus den Bilanzen auszulagern.
Diesmal scheinen die anwesenden Vertreter der Banken diesem Vorschlag zuzustimmen.
„Wir sehen da jetzt keinen
vordringlichen Entscheidungsbedarf“ heißt es hingegen bei der Bundesregierung.
Schon jetzt sei es möglich, daß Banken faule Kredite an die SoFFin[2]
verkaufen – dies werde aber bisher nicht genutzt.... Das Grundproblem der Krise
werde durch die Auslagerung nicht gelöst, sondern nur auf den Steuerzahler
verschoben.“
Natürlich sind solchermaßen ausgelagerte Papiere auch weiterhin
ausfall- und wertverlustgefährdet und dieses Risiko würde alleine die
„Schlechte Bank“ tragen.
„Um das abzusichern, müßte sie mit
ausreichend Eigenkapital ausgestattet werden. Aber von wem, fragen
Finanzexperten.“
Garantien reichen da nicht aus. Und in
eine solche Lage wollte Ackermann schon die Regierung Schröder im Jahre 2003
bringen!