Seine rund 7 Millionen
Einwohner sind zu ihrem weitaus überwiegenden Teil einfache Menschen, deren
Einsicht sehr wohl die wirtschaftlichen und — mit Geschick sogar — die
händlerischen Vorteile des Alltags zu erfassen vermag, denen jedoch der
Überblick über die politischen Verhältnisse ihres Landes nicht gegeben ist und
die selbstverständlich noch weniger die weltpolitischen Zusammenhänge zu übersehen
vermögen. Mit ihrem temperamentvollen Charakter läßt sich diese Masse leicht in
Bewegung setzen, schnell in Begeisterung bringen. Mit gewandten Phrasen kann
man diese schnell begeisterten Menschen sicher sogar zu höchster Tapferkeit und
zu äußerstem Heldenmut anfachen. Sie verlangen dabei nicht einmal präzise
Angaben und stichhaltige Gründe. Wirklich, solche Menschen sind der rechte
Spielball für die dunklen Gewalten auf dem weiten Feld der Weltpolitik.
Griechenlands Politik wurde wahrlich nicht „vom Volk"
gemacht. Griechenlands Politik wurde in Athen konstruiert. Das heißt, auch
diese Formulierung ist nur bedingt richtig. Denn die Pläne, nach denen man in
Athen Politik konstruierte, wurden wieder anderswo entworfen!
Wie Jugoslawien, obgleich nicht in ganz demselben Maße, ist auch
Griechenland ein Beweisstück für die inter- und übernationalen Kräfte, die oft
gar zu leicht außer acht gelassen oder — von jenen, die nur die Oberfläche der
Geschichte sehen — in das Reich der Fabel verwiesen werden.
Aus dem Geschehen des ersten Weltkrieges ist das verhängnisvolle
Einwirken von Eleftherios Venizelos bekannt. Sein und seiner Clique Einfluß gab
damals neben den zu gleicher Zeit angesetzten, offiziell von außen kommenden
Einflüssen den Ausschlag zu dem Thronwechsel Konstantin—Alexander, durch den
Griechenland endgültig in das Fahrwasser der Ententemächte kam. Denn Alexander
erwies sich in jeder Hinsicht als Figur seines Ministerpräsidenten.
Dieser aber beriet die Grundlagen seiner und Griechenlands Politik
im Schlepptau Englands in den Logen des „Groß-Orients von Griechenland".
Denn Venizelos und alle seine namhaften Mitarbeiter waren führend in der
griechischen und prominent in der internationalen Freimaurerei.
Die Organisation der griechischen Freimaurerei unterstreicht und
beweist das, was oben über die politischen Verhältnisse und die politische
Einsicht der Griechen gesagt wurde.
Nach dem Stande von 1939 gab es in Griechenland nur wenig mehr als
1000 Freimaurer. 950 von ihnen waren in den insgesamt 18 Logen des
„Groß-Orients von Griechenland" erfaßt, der die repräsentative
freimaurerische Vertretung darstellte. Der Groß-Orient wurde 1868 auf Anregung
und aus Kreisen italienischer Freimaurer gegründet, die selbst wieder von den
Pariser Institutionen vorgeschickt waren. Einzelne Logen außerhalb des
Groß-Orients hatten besonders enge Verbindungen zur englischen Freimaurerei der
„United Grand Lodge of England".
Diese 1000 „Brüder in Hiram" verteilten sich auf die wenigen
Zentralpunkte des griechischen Staates: sie lebten in Athen, einige in der
Judenhochburg Saloniki und einige auf jenen Inseln, die der Plutokratie zur
Erholung dienten, z. B. auf Korfu. Die außerhalb dieser Zentren vorhandenen
„Bruderkränzchen" hatten oft nicht einmal Logenstärke und zählten im übrigen
zumeist unwichtige, dienende Brüder.
In den Athener Logen aber waren neben wichtigen und maßgebenden
Politikern vor allem die führenden Wirtschaftskreise vertreten.
Führende Beamte der Bank von Griechenland hatten wichtige
logenpolitische Schlüssel- und Verbindungsstellen zu den „westlichen
Demokratien" inne.
Die Offiziere, die Mitglieder der griechischen Logen wurden,
wußten, daß sie damit nicht nur ihre finanziellen Mittel aufbessern konnten,
sondern auch ihre Karriere — z. B. im Hinblick auf Kommandierungen als
Militärattaches usw. — zu beschleunigen vermochten.
Es kommt hinzu, daß unter der Regierung des Bruders Venizelos im
Heer in jeder Hinsicht „aufgeräumt" wurde. Bis zum Jahre 1920 erfolgte die
Ausstoßung von etwa 2.500 Offizieren, deren „radikalste Elemente" in
Kerker geworfen oder erschossen wurden. Freimaurer fanden sich außerdem auch in
führenden Kreisen der griechisch - orthodoxen Kirche, die sich zu einer
einheitlichen Haltung gegenüber der Freimaurerei nicht entschlossen hatte. Genannt
sei hier nur der von Venizelos seinerzeit als Metropolit von Griechenland
protegierte Meletios.
Venizelos und die Venizelisten wurden in der jüngsten Geschichte
Griechenlands immer mehr zu einem Parteibegriff. Die Freimaurerei hatte es
deshalb, als der alternde Venizelos nicht mehr den im Weltkrieg ausgeübten
Einfluß erringen konnte, vorgezogen, sich neue Kanäle zu suchen. Neben der
Unterstützung, die sie weiterhin Venizelos zuteil werden ließ, knüpfte sie nun
Verbindungen mit dessen Gegnern an. Das internationale Logensystem wollte eben
auf alle Fälle sichergehen. Um aber auf jeden Fall das Übergewicht zu erhalten,
wurde der König Georg II., der seit 1935 wieder auf dem Throne saß, mehr und
mehr in die freimaurerischen Fäden eingesponnen: König Georg ist Bruder des
englischen Logensystems. Sein Hang zur — sagen wir — Mystik und seine besondere
Empfänglichkeit für geheimnisvolle, „okkulte" Vorgänge machten ihn für die
Knechtsarbeit „am Bau des Tempels Sa-lomos" vorzüglich geeignet. In
spiritistischen Sitzungen gaben ihm von London bezahlte „Geister" die
Richtlinien seiner Außenpolitik!
Und die internationale Freimaurerei hatte gut daran getan, sich
dieses gekrönten Hauptes zu versichern. Denn als die Entwicklung in
Mitteleuropa auch in einigen Kreisen Griechenlands einem gewissen Verständnis
begegnete, da tauchte — nicht zuletzt unter Einwirkung der Erinnerungen an die
bösen Tage des Venizelos-Regimes — der Gedanke auf, daß man auch in
Griechenland dem Treiben der Logenbrüder ein Ende setzen müsse. Sogar hohe Regierungsstellen,
soweit sie nicht feste maurerische Bindungen hatten, zeigten sich solchen
Überlegungen gegenüber nicht unbedingt ablehnend. Und vielleicht fiel die
Entscheidung nicht nur über die griechische Freimaurerei, sondern zugleich über
die griechische Politik, als König Georg II. getreu dem Auftrag seiner
maurerischen Oberen in London sich mit allen Kräften gegenüber dem
Ministerpräsidenten General Metaxas für das Fortbestehen, ja für den Ausbau der
griechischen Freimaurerei einsetzte.
So konnte das im wesentlichen unpolitische griechische Volk von
den Drahtziehern in den Athener Logen entsprechend vorbereitet werden, um nach
Ausbruch des von England 1939 provozierten Krieges mehr und mehr in das
englische Fahrwasser zu geraten. Der König Georg aber lauschte selbst in den
entscheidenden und schweren Stunden seines Landes den verhängnisvollen
Ratschlägen seiner okkult-mysteriös verbrämten freimaurerischen Gebieter in
London und dem Hokuspokus der von England bezahlten „Gespenster" oder
freute sich über freundliche Zukunftsmusik des Hochgradbruders Roosevelt von
jenseits des großen Wassers.
Der Ministerpräsident Koritzis, der über seine Bankkollegen in die
Verbindung mit den Logenkreisen geraten war, hatte sich jedenfalls diesen und
ihren anglo-jüdischen Weltherrschaftsplänen schließlich in letzter Stunde doch
nicht als so willfährig wie der spiritistische Georg erwiesen. So mußte er
sterben, wie vor ihm schon Metaxas. Das griechische Volk aber mußte bluten für
die Interessen der „brüderlichen Weltkette", die diesen Kampf gewollt und
durchgesetzt hatte.
Soweit die
Erkenntnisse aus dem Jahre 1942. Es ist naheliegend, auch hinter den heutigen
griechischen Verhältnissen wieder das Wirken der Weltfreimaurerei anzunehmen.