Griechenland und der Freimaurereinfluß 1942

Aus „Die Hochgrade der Freimaurerei“, Kurt Fervers 1942, Neuauflage Faksimile-Verlag Bremen 1992, Seite 122ff

Seine rund 7 Millionen Einwohner sind zu ihrem weitaus überwiegenden Teil einfache Menschen, deren Einsicht sehr wohl die wirtschaftlichen und — mit Geschick sogar — die händlerischen Vorteile des Alltags zu erfassen vermag, denen jedoch der Überblick über die politischen Verhältnisse ihres Landes nicht gegeben ist und die selbstverständlich noch weniger die weltpolitischen Zusammenhänge zu übersehen vermögen. Mit ihrem temperamentvollen Charakter läßt sich diese Masse leicht in Bewegung setzen, schnell in Begeisterung bringen. Mit gewandten Phrasen kann man diese schnell begeisterten Menschen sicher sogar zu höchster Tapferkeit und zu äußerstem Heldenmut anfachen. Sie verlangen dabei nicht einmal präzise Angaben und stichhaltige Gründe. Wirklich, solche Menschen sind der rechte Spielball für die dunklen Gewalten auf dem weiten Feld der Weltpolitik.

Griechenlands Politik wurde wahrlich nicht „vom Volk" gemacht. Griechenlands Politik wurde in Athen konstruiert. Das heißt, auch diese Formulierung ist nur bedingt richtig. Denn die Pläne, nach denen man in Athen Politik konstruierte, wurden wieder anderswo entworfen!

Wie Jugoslawien, obgleich nicht in ganz demselben Maße, ist auch Griechenland ein Beweisstück für die inter- und übernationalen Kräfte, die oft gar zu leicht außer acht gelassen oder — von jenen, die nur die Oberfläche der Geschichte sehen — in das Reich der Fabel verwiesen werden.

Aus dem Geschehen des ersten Weltkrieges ist das verhängnisvolle Einwirken von Eleftherios Venizelos bekannt. Sein und seiner Clique Einfluß gab damals neben den zu gleicher Zeit angesetzten, offiziell von außen kommenden Einflüssen den Ausschlag zu dem Thronwechsel Konstantin—Alexander, durch den Griechenland endgültig in das Fahrwasser der Ententemächte kam. Denn Alexander erwies sich in jeder Hinsicht als Figur seines Ministerpräsidenten.

Dieser aber beriet die Grundlagen seiner und Griechenlands Politik im Schlepptau Englands in den Logen des „Groß-Orients von Griechenland". Denn Venizelos und alle seine namhaften Mitarbeiter waren führend in der griechischen und prominent in der internationalen Freimaurerei.

Die Organisation der griechischen Freimaurerei unterstreicht und beweist das, was oben über die politischen Verhältnisse und die politische Einsicht der Griechen gesagt wurde.

Nach dem Stande von 1939 gab es in Griechenland nur wenig mehr als 1000 Freimaurer. 950 von ihnen waren in den insgesamt 18 Logen des „Groß-Orients von Griechenland" erfaßt, der die repräsentative freimaurerische Vertretung darstellte. Der Groß-Orient wurde 1868 auf Anregung und aus Kreisen italienischer Freimaurer gegründet, die selbst wieder von den Pariser Institutionen vorgeschickt waren. Einzelne Logen außerhalb des Groß-Orients hatten besonders enge Verbindungen zur englischen Freimaurerei der „United Grand Lodge of England".

Diese 1000 „Brüder in Hiram" verteilten sich auf die wenigen Zentralpunkte des griechischen Staates: sie lebten in Athen, einige in der Judenhochburg Saloniki und einige auf jenen Inseln, die der Plutokratie zur Erholung dienten, z. B. auf Korfu. Die außerhalb dieser Zentren vorhandenen „Bruderkränzchen" hatten oft nicht einmal Logenstärke und zählten im übrigen zumeist unwichtige, dienende Brüder.

In den Athener Logen aber waren neben wichtigen und maßgebenden Politikern vor allem die führenden Wirtschaftskreise vertreten.

Führende Beamte der Bank von Griechenland hatten wichtige logenpolitische Schlüssel- und Verbindungsstellen zu den „westlichen Demokratien" inne.

Die Offiziere, die Mitglieder der griechischen Logen wurden, wußten, daß sie damit nicht nur ihre finanziellen Mittel aufbessern konnten, sondern auch ihre Karriere — z. B. im Hinblick auf Kommandierungen als Militärattaches usw. — zu beschleunigen vermochten.

Es kommt hinzu, daß unter der Regierung des Bruders Venizelos im Heer in jeder Hinsicht „aufgeräumt" wurde. Bis zum Jahre 1920 erfolgte die Ausstoßung von etwa 2.500 Offizieren, deren „radikalste Elemente" in Kerker geworfen oder erschossen wurden. Freimaurer fanden sich außerdem auch in führenden Kreisen der griechisch - orthodoxen Kirche, die sich zu einer einheitlichen Haltung gegenüber der Freimaurerei nicht entschlossen hatte. Genannt sei hier nur der von Venizelos seinerzeit als Metropolit von Griechenland protegierte Meletios.

Venizelos und die Venizelisten wurden in der jüngsten Geschichte Griechenlands immer mehr zu einem Parteibegriff. Die Freimaurerei hatte es deshalb, als der alternde Venizelos nicht mehr den im Weltkrieg ausgeübten Einfluß erringen konnte, vorgezogen, sich neue Kanäle zu suchen. Neben der Unterstützung, die sie weiterhin Venizelos zuteil werden ließ, knüpfte sie nun Verbindungen mit dessen Gegnern an. Das internationale Logensystem wollte eben auf alle Fälle sichergehen. Um aber auf jeden Fall das Übergewicht zu erhalten, wurde der König Georg II., der seit 1935 wieder auf dem Throne saß, mehr und mehr in die freimaurerischen Fäden eingesponnen: König Georg ist Bruder des englischen Logensystems. Sein Hang zur — sagen wir — Mystik und seine besondere Empfänglichkeit für geheimnisvolle, „okkulte" Vorgänge machten ihn für die Knechtsarbeit „am Bau des Tempels Sa-lomos" vorzüglich geeignet. In spiritistischen Sitzungen gaben ihm von London bezahlte „Geister" die Richtlinien seiner Außenpolitik!

Und die internationale Freimaurerei hatte gut daran getan, sich dieses gekrönten Hauptes zu versichern. Denn als die Entwicklung in Mitteleuropa auch in einigen Kreisen Griechenlands einem gewissen Verständnis begegnete, da tauchte — nicht zuletzt unter Einwirkung der Erinnerungen an die bösen Tage des Venizelos-Regimes — der Gedanke auf, daß man auch in Griechenland dem Treiben der Logenbrüder ein Ende setzen müsse. Sogar hohe Regierungsstellen, soweit sie nicht feste maurerische Bindungen hatten, zeigten sich solchen Überlegungen gegenüber nicht unbedingt ablehnend. Und vielleicht fiel die Entscheidung nicht nur über die griechische Freimaurerei, sondern zugleich über die griechische Politik, als König Georg II. getreu dem Auftrag seiner maurerischen Oberen in London sich mit allen Kräften gegenüber dem Ministerpräsidenten General Metaxas für das Fortbestehen, ja für den Ausbau der griechischen Freimaurerei einsetzte.

So konnte das im wesentlichen unpolitische griechische Volk von den Drahtziehern in den Athener Logen entsprechend vorbereitet werden, um nach Ausbruch des von England 1939 provozierten Krieges mehr und mehr in das englische Fahrwasser zu geraten. Der König Georg aber lauschte selbst in den entscheidenden und schweren Stunden seines Landes den verhängnisvollen Ratschlägen seiner okkult-mysteriös verbrämten freimaurerischen Gebieter in London und dem Hokuspokus der von England bezahlten „Gespenster" oder freute sich über freundliche Zukunftsmusik des Hochgradbruders Roosevelt von jenseits des großen Wassers.

Der Ministerpräsident Koritzis, der über seine Bankkollegen in die Verbindung mit den Logenkreisen geraten war, hatte sich jedenfalls diesen und ihren anglo-jüdischen Weltherrschaftsplänen schließlich in letzter Stunde doch nicht als so willfährig wie der spiritistische Georg erwiesen. So mußte er sterben, wie vor ihm schon Metaxas. Das griechische Volk aber mußte bluten für die Interessen der „brüderlichen Weltkette", die diesen Kampf gewollt und durchgesetzt hatte.

 

Soweit die Erkenntnisse aus dem Jahre 1942. Es ist naheliegend, auch hinter den heutigen griechischen Verhältnissen wieder das Wirken der Weltfreimaurerei anzunehmen.