Konzertdirektion F. Dietrich GmbH, 60435 Ffm., Sigmund-Freud-Str. 1

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Briefe an die Herausgeber"

Hellerhofstraße 9

60327 Frankfurt am Main 21. März 2010

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bericht der Historikerkommission über die Bombardierung von Dresden gibt mir Veranlassung zu diesem Leserbrief. Ich bin gespannt, ob er veröffentlicht wird.

Als Zeitzeuge nehme ich zu dem Bericht der neuen Historikerkommission vom 19.März 2010 in Sachen Bombardierung von Dresden Stellung:

Zeitzeugen, die laut Bericht befragt worden sind, haben entweder falsche Aussagen gemacht oder konnten sich nicht mehr richtig erinnern, oder die Historikerkommission hat die Aussagen verschwiegen.

Ich denke, daß es die Leser interessiert, daß Fritz Dietrich seit 1945 Künstlervermittlung und Konzertorganisation im Bereich der Klassischen Musik betreibt. Auch als Soldat habe ich 1944 - z.B. in Danzig schon Konzerte organisiert. Wer mehr wissen will, befrage das INTERNET.

Ich bin Jahrgang 1925 und war am 13. Februar 1945 auf einem Truppentransport per Eisenbahn von Swinemünde nach Pilsen. Von Radebeul aus habe ich den Anflug der alliierten Luftstreitkräfte und das Bombardement auf Dresden gesehen. Wir Soldaten wurden ausgeladen und per LKW in das brennende Dresden gebracht und dort auf einzelne Stadtteile verteilt. Mir wurden als Oberfähnrich 22 Soldaten unterstellt, und meine Gruppe wurde zunächst am Neumarkt eingesetzt, um aus brennenden Häusern und Kirchen noch Menschen zu bergen. Nach einigen Stunden wurde mein Einsatzort zu einer großen Schule verlegt, die lichterloh brannte. Von Überlebenden erfuhren wir, daß in der Aula und Turnhalle ca.400 Flüchtlinge aus Schlesien und anderen Ostgebieten untergebracht waren. Die etwa eine Million Flüchtlinge aus den Ostgebieten sollten über Dresden nach Westdeutschland weitergeleitet werden.

Aus dieser lichterloh brennenden Schule haben wir einige Flüchtlinge noch lebend bergen können, der Rest verbrannte zu Asche.

Ich war 5 Tage in Dresden in der Leichenbergung und Verbrennung eingesetzt. Den Geruch der verbrennenden Leichen auf den Elbwiesen erlebe ich auch heute noch manche Nacht!

Jedes Mal, wenn ich aus Dresden zurückkehre, durchlebe ich nächtelang erneut die grausigen Ereignisse von 1945.

Es ist mir unverständlich, wieso die in dem Bericht erwähnten Zeitzeugen diese Veraschung von Menschen verneinen.

Unverständlich ist für mich auch, daß diese Kommission behauptet, daß es keine Tieffliegerangriffe gegeben hat. Aus der mir unterstellten Gruppe leben derzeit noch drei Kameraden, die mit mir auch nach Pilsen sollten. Diese drei können bezeugen, daß wir bei unserer schrecklichen Arbeit in Dresden am Tage ständig von Tieffliegern beschossen wurden.

Ich bin mir sicher, daß es noch sehr viele Menschen leben, die diese Tiefflieger ebenso wie wir erlebt haben und auch erleben mußten, wie Flüchtlingskolonnen im Elbtal beschossen wurden. Auch Eisenbahner werden dies bezeugen, weil ihre Züge angegriffen wurden.

Was bezweckt die Historikerkommission damit, daß sie Tatsachen in ihrem Bericht verneint?

Der bekannte und verdienstvolle Suchdienst des Roten Kreuzes in Bad Arolsen, hat nach dem Krieg die Schicksale, Todesursache und Todesort von Millionen aufgeklärt. Das Schicksal von fast 3 Millionen Schlesiern und Flüchtlingen aus den bereits von den Russen eroberten deutschen Gebieten blieb bis heute ungeklärt. Diese sind überwiegend im Frühjahr 1945 in den bombardierten Deutschen Städten zu Asche verbrannt, davon mindestens 350 000 in Dresden. Jeder Soldat, der damals in Dresden eingesetzt war und selbst überlebt hat, wird meine Aussage bestätigen.

Das einzig Positive an dem Bericht der Kommission ist die Tatsache, daß dort schwarz auf weiß zu lesen ist, daß die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war.

Nicht nur uns Deutschen werden mit Holocaust, KZ, Gaskammer usw. Verbrechen zur Last gelegt, die Alliierten haben unstrittig Verbrechen begangen. Im Frühjahr 1945 sind um die 3 Millionen Zivilisten in Deutschland verbrannt. Nicht nur in Dresden, sondern auch in vielen anderen Städten, wie z.B. Hamburg, Würzburg, Darmstadt, Kassel, Lübeck, Pforzheim u.a.m. Und wer redet von den Zeitzündern der NAPALM-Bomben?! Ein Glück für Deutschland ist die Tatsache, daß die Chemikalien zur Entlaubung von Bäumen 1945 und die Milzbrandbomben noch nicht einsatzbereit waren, sonst wären sie auch auf Deutschland niedergegangen.

Mit Recht prangern viele junge Menschen diese Dinge an. Daß sie es teilweise in ungebührlicher Form tun, ist eine andere Sache und die ist bedauerlich, aber doch wiederum verständlich, weil man sie nicht zu Worte kommen läßt und sie es satt sind, daß immer nur Deutschland und die Deutschen als Verbrecher bezeichnet werden. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich werde in meiner musikalischen "Arbeit" - seit etwa fünf Jahren ständig von JUNGEN MENSCHEN als Zeitzeuge über diese Dinge befragt, so auch vor vier Tagen bei der Nachfeier nach einem Konzert bis morgens um 2 Uhr. Das Erstaunliche ist für mich dabei, daß sich seit etwa fünf Jahren die JUNGE GENERATION plötzlich für diese Dinge besonders interessiert.

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Dietrich