Vom Dunkelmann zur Lichtgestalt

B. Ullrich

Josef Meinrad Ackermann, geboren 1948 in der Schweiz, hat 1977 zum Thema „Einfluß des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen“ zum Dr. oec. promoviert. 1996 verließ er die Credit Suisse und wurde Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Ab 1998 war er für den Bereich „Globale Unternehmen und Institutionen“ verantwortlich, zu dem neben dem Großkundengeschäft vor allem das Investment Banking zählte. Seit Mai 2002 ist er Nachfolger von Rolf-E. Breuer als Vorstandsvorsitzender.

„Bereits kurz nach seinem Amtsantritt haftete ihm das Image des eiskalten Kapitalisten an. Das ganze Land machte sich über ihn her. Ackermann war der Manager, der das deutsche Gerichtssystem angriff. Der zeitgleich mit einem Milliardengewinn den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen ankündigte. Der in der Gehaltsliga immer ganz oben stand und öffentlich Brachialrenditen einforderte.“[1]

Seit der „Mannesmann-Prozeß“ mit einer geradezu lächerlichen Strafe für Ackermann endete, arbeitet er daran, seinen dortigen Auftritt mit dem provokanten Victory-Zeichen vergessen zu machen. Seine öffentlichen Auftritte läßt er sich von einem ehemaligen Chefredakteur der "Wirtschaftswoche" publikumswirksam gestalten.

„"Die Offensive war nötig", sagt ein Deutsch-Banker. "Unser Image in der breiten Bevölkerung in Deutschland ist viel zu schlecht." Im Ausland, in London, New York und Tokio genießt Ackermann schon lange hohes Ansehen und wurde zuletzt mit Ehrungen geradezu überhäuft: Mitte November erhielt er in New York den "Global Leadership Award" des American Institute for Contemporary German Studies. Bei der Verleihung des Preises zählte neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch US-Präsident George W. Bush zu den Gratulanten.

Wenige Tage später flog er wieder in die USA, um den Herbert H. Lehman Award des American Jewish Committee in Empfang zu nehmen. Bei beiden Preisen wurde Ackermanns Rolle bei der Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen gewürdigt. Überall genießt der Deutsch-Banker Respekt, wird seine Leistung gewürdigt, steht sein Name für Erfolg. Nur in Deutschland war das lange Zeit nicht so.“

Auch wir wollen einmal einige seiner Leistungen würdigen, wobei mal die Handlungen der Person Ackermann, mal das Wirken der Deutschen Bank, deren Vorstandsvorsitzender er ist, aufgelistet wird.

Totengräber der Deutschland AG

Im Zuge der feindlichen Übernahme des Traditionsunternehmens Mannesmann AG durch die britische Firma Vodafone stand Ackermann gemeinsam mit anderen unter dem Verdacht, den Düsseldorfer Konzern im Rahmen der Übernahme im Februar 2000 durch überhöhte Prämienzahlungen an Esser und weitere Mannesmann-Manager um rund 110 Millionen Mark (ca. 58 Millionen Euro) geschädigt zu haben. Ackermann war damals neben seinem Posten bei der Deutschen Bank noch im vierköpfigen Aufsichtsratspräsidium von Mannesmann, das die Prämien beschlossen hatte. Vom Mai 2000 bis Februar 2002 saß er dann (von Juni bis September 2000 zusammen mit Klaus Esser!) im Aufsichtsrat des Schlachtensiegers Vodafone.

Esser habe einen deutschen Traditionskonzern ans Ausland verkauft, hielt ihm die Öffentlichkeit vor. "Totengräber" ("Rheinische Post") schimpften sie ihn. Dabei waren es Mannesmann-Aufsichtsräte, die ihn, als der Kampf verloren schien, zum Einlenken ermunterten. Wohl auch, weil ihnen der Vodafone-Erfolg gut paßte, als Beleg für die Reife des deutschen Kapitalmarktes. Empört habe Esser diese "Polemik". Hat er die Mannesmann-Aktionäre nicht um 77 Milliarden Euro reicher gemacht? So viel hatte vor ihm noch keiner geschafft, nicht in London, nicht in New York.“ (Manager-Magazin 4-2003)

Der steuerrelevante Höhepunkt dieser Aktion wurde nicht vor Gericht gebracht: Die Mannesmann AG wurde im Februar 2000 nach monatelanger „Wertsteigerungsphase“ vom britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone für knapp 200 Milliarden Euro übernommen. Die Mannesmann-Aktionäre, deren Aktie im Oktober 1999 beim Aufkommen der Übernahmegerüchte gerade 144 Euro wert waren, erhielten dafür Vodafone-Aktien im Gegenwert von 353 Euro. Die Aktienbesitzer erzielten eine Steigerung ihres Aktienwertes um fast das Zweieinhalbfache. Nach dieser „Wertsteigerung“ wurde allerdings das ehemalige Mannesmann-Aktienpaket an eine deutsche Vodafone-Tochter für knapp 147 Milliarden Euro zurückverkauft, was einem Kursverfall auf 309 Euro entsprach. Ein Jahr später findet die deutsche Vodafone GmbH auch diesen gefallenen Kurswert noch immer überhöhnt und bewertet ihn selbstherrlich mit nur noch 200 Euro. Diesen „Verlust“ (der zuvor ein Gewinn für Aktionäre und prämienüberschüttete Mannesmann-Manager war) von rd. 50 Milliarden Euro will nun die Vodafone-Tochter in ihrer Bilanz über Jahre gegen die jeweiligen Gewinne von der Steuer absetzen. Der Spekulationsgewinn an der Börse wurde also privat einkassiert, der Verlust soll vom deutschen Fiskus ausgeglichen werden. Die Gesetzeslage ließ diese Privatisierung der Gewinne und die Sozialisierung der Verluste offenbar zu. „Ein ganz normaler Vorgang“ sagte der Sprecher von Vodafone Deutschland. Auch das damalige Landtagsmitglied von NRW, Dr. jur. Jürgen Rüttgers, CDU, fand den Vorgang nicht korrekturbedürftig, sofern alles legal[2] zuginge. Seit 2005 ist Konzernfreund Rüttgers nun Ministerpräsident von NRW, ein Posten, den schon seine Vorgänger Peer Steinbrück, Wolfgang Clement und Johannes Rau seinerzeit als Sprungbrett für höhere Weihen nutzten.

Wie groß nun Ackermanns Strippenzieher-Anteil an dieser Übernahme-Angelegenheit ist, kann nur spekuliert werden. Zu seiner Rolle als Umwälzer und „Totengräber“ sei hier noch aus www.faz.net zitiert:

1.02.2006, „Im Ausland ein Star, in Deutschland ein Buhmann“: Vermutlich wird Ackermann für 2005 über einen Jahresgewinn des Konzerns von 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro berichten. Das würde einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent entsprechen - das Ziel, das Ackermann vor Jahren vorgegeben hat. Der Schweizer Manager fährt damit die Früchte einer weitsichtigen Strategie ein. Dazu hat er mit harter Hand ertragsschwache Geschäftsfelder verkauft oder eingestellt - wodurch die Zahl der Mitarbeiter des Konzerns um 20.000 auf derzeit etwa 63.000 geschrumpft ist. Zudem hat Ackermann das riesige Beteiligungsportefeuille Zug um Zug verkauft. Weitgehend unbemerkt hat er dadurch entscheidend zur Auflösung der "Deutschland AG" beigetragen, die einst die Basis für die vielkritisierte "Macht der Banken" war.

18.6.2006, Artikel über eine Biographie Ackermanns: Heute ist Ackermanns Ansehen für die Ergebnisse der Deutschen Bank gewiß; seine Rolle als einer der Totengräber der Deutschland AG (unter anderem durch den Verkauf von Industriebeteiligungen) wird man vielleicht erst später richtig würdigen.

Der Global Player

Während der nunmehr 12 Jahre seiner Tätigkeit für die Deutsche Bank wandelte sich die Bank vom Finanzierer der Deutschland AG zum Global Player und Mitbewerber der weltgrößten Investmentbanken.

Mannesmann war gestern. Ackermann mutierte inzwischen – propagandistisch geläutert – zum „Vordenker der Nation“ mit guten Kontakten zur BRD-Kanzlerin. Diese neue Rolle ergab sich gerade rechtzeitig zur Finanzkrise, die dann – alles rein zufällig - durch Ackermann selbst in einem Anfall „patriotischer Pflicht“ offenkundig gemacht wurde. Am 27. Juli 2007 sperrte die Deutsche Bank der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB die bisherige Kreditlinie für ihren Fonds Rheinland Funding und zeigte ihren Kunden bei der Finanzaufsicht BaFin an. Später lobte Ackermann sich, dadurch habe er große Verwerfungen auf dem deutschen Markt verhindert.

Bei der Finanzierung der Risikogeschäfte der IKB-Bank war die Deutsche Bank als Depotbank seit 2002 mit dabei!

Abzocker von Gemeinden und Unternehmen

Mindestens seit 2004 ist die Deutsche Bank damit beschäftigt, den klammen Städten und Kommunen der BRD Zinswetten aufzuschwätzen:

„Immer mehr Kommunen offenbaren, daß sie mit komplizierten Zinsgeschäften Verluste in Millionenhöhe erlitten haben. Meist hatten sie diese „Zinsswaps“ mit der Deutschen Bank abgeschlossen. Bei der Stadt Hagen sind bereits rund 24 Millionen Euro an Verlusten aufgelaufen, in den kommenden drei Jahren könnte der Fehlbetrag bis auf 51 Millionen Euro steigen. Insgesamt sei den Kommunen wahrscheinlich ein Milliardenschaden entstanden, schätzt Rainer Elschen, ein Professor an der Universität Duisburg-Essen. Auch Dutzende Mittelständler klagen über hohe Verluste. Der Deutschen Bank steht nach Angaben von Rechtsanwälten wegen angeblicher Beratungsfehler nun eine Welle von Schadensersatzklagen ins Haus. Die Bank weist die Vorwürfe zurück.“ www.faz.net 31.08.2007

Auch unsere Nachbarn haben sich auf Spekulationsgeschäfte mit der Deutschen Bank eingelassen. Unter anderem die Österreichische Bundesbahn, die mit über 40.000 Mitarbeitern und Erlösen von über 6 Mrd. Euro einer der führenden Konzerne Österreichs ist und sich vollständig in Staatsbesitz befindet.

In den vergangenen Monaten war durchgesickert, daß die ÖBB im Jahr 2005 mit der Deutschen Bank sogenannte Credit Default Swaps abgeschlossen hatten. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um ein Absicherungsgeschäft für hochriskante, teils ausfallgefährdete Kredite an 205 internationalen Firmen und Finanzinstitute, die von der Deutschen Bank begeben wurden. Die ÖBB übernehmen für die Kredite die Haftung und bekommen dafür von der Bank eine Prämie von insgesamt 30 Mio. Euro. Die Kredite laufen bis 2013 beziehungsweise 2015. Da schon einige Kreditnehmer - dabei handelt es sich um die isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir - ausgefallen sind, hat sich der Bahnvorstand nun entschlossen, den Wert des gesamten Betrags zu berichtigen.“ www.ftd.de 15.12.2008

Diese „Deutsche“ Bank verhält sich nicht deutsch, sondern very british!

Der aktuellste Hinweis auf Ackermanns krude Gedankenwelt stammt aus der Financial Times Deutschland vom 16.1.2009, die mit Ackermann am Rande seines Neujahrs-Empfangs in Berlin sprach:

„„Die größte Gefahr, die ich sehe, ist ein Wiedererstarken des ökonomischen Nationalismus.“ Der Staat als Anteilseigner von Banken werde bei der Geschäftspolitik auf die Bedürfnisse seiner Volkswirtschaft achten. „Das ist nicht gut“, so der Konzernchef.“

Was gut ist fürs Volk, ist schlecht für die Ackermänner dieser Welt. Aber solange „unsere“ Politiker „ihre“ neu erworbenen Banken so führen wie bisher die KfW und Landesbanken, besteht für die Pfründe des Deutsche-Bank-Chefs keine Gefahr. Für unsere Volkswirtschaft aber wächst die Gefahr mit jedem Tag, den dieses Bankster-System weiter existiert!

 

 

 

Juden leiden auch unter Finanzkrise

Quelle: "Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv" 28.10.2008

http://www.tel-aviv.diplo.de/Vertretung/telaviv/de/Medienspiegel

...Weiterhin bringt HAARetz (The Marker S. 8, Ora Coren) einen Beitrag über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die israelischen Firmen im Ausland. Zu Deutschland heißt es:

Die israelischen Immobilienfirmen, die von Darlehen deutscher Banken abhängig sind, haben bereits ein Problem“, sagt Stel Pinchasov-Beck, die israelische Wirtschaftsreferentin in Deutschland. „Die Firmen stellen Projekte ein, wie z.B. Einkaufszentren, denn es ist sehr schwierig, von den Banken Darlehen zu erhalten. Ich höre dies von vielen israelischen Firmen, die hier tätig sind. Gestern sprach ich mit vier Firmen, drei von ihnen sagten, es sei nicht sicher, ob sie in Deutschland bleiben werden und sie zögen in Erwägung, ihre Filialen in Deutschland zu schließen.“

Ein weiterer Sektor, der in Deutschland Schaden nimmt, ist der Bau von Hotels. Pinchasov-Beck: „Viele Israelis investieren in den Bau von Hotels, und dieser Sektor steht in Gefahr, Schaden zu nehmen, dies wegen der Reduzierung der ausländischen Flüge nach Deutschland. Überhaupt herrscht das Gefühl vor, als werde der Immobiliensektor in Deutschland in einen Stillstand geraten. Dies schafft Kaufmöglichkeiten für diejenigen, die nicht von Darlehen abhängig sind.“

Auch die Frage der Zusatzleistungen beschäftigt den geschäftlichen Sektor in Deutschland, aber hier, im Gegensatz zu anderen Ländern, ist bereits eine Entscheidung gefallen. So haben z.B. der Deutsche Bank Chef Josef Ackermann, einer der herausragendsten Juden auf dem deutschen Finanzsektor, sowie das gesamte Management der Bank bekannt gegeben, sie verzichteten auf ihre Prämien für das Jahr 2008. Stellen in der Branche erklären, Ackermann müsse sich nun mit seinem Jahresgehalt von 1,2 Millionen Euro „begnügen“.

 

 

 

 



[1] Alle nachfolgenden Zitate aus www.ftd.de vom 14.12.07

 

[2] TAZ 9.06.2004: „Im Deutschlandfunk sagte Rüttgers gestern, daß es nicht richtig sei, "jetzt politisch darüber nachzudenken, rückwirkend die Steuergesetze zu ändern". Wenn das gemacht werde, "dann zerstören wir den Standort Deutschland", sagte Rüttgers dem Radiosender. In der Frage der Verlustabschreibungen, die Vodafone wegen des nachträglichen Kursverlustes nach der Mannesmann-Übernahme deutlich machen will, sei es nötig, zu klären, ob das Vorgehen der Firma legal sei, sagte Rüttgers. "Was legal ist, das kann man einem Unternehmen nicht vorwerfen", sagte Rüttgers.“ (Hm, dann ist der Gesetzgeber also schuld, der solches Vorgehen legalisiert? Aber der kann ja wohl aus lauter Konzernstandortsorge nicht anders?)