Wunderlicher US-Wahlkampf
Teil 1 - Wer finanziert Obama?
Aus PHI (Politische
Hintergrundinformation), Auslandsdienst Seite A 60 vom 27.03.08:
Eine durch
Selbstorganisation initiierte, von unten erblühende, jugendliche
Graswurzelbewegung, die über ein hohes Maß an Autonomie verfügt, trug Barack Obama
auf einer Welle von Sympathie zu elf Vorwahlsiegen hintereinander. In Texas
verlor er die Vorwahlen nur knapp und gewann die Caucuses. Die demokratische Lokalpolitikerin
Dorothy Dean aus Dallas, die noch den Wahlkampf Bill Clintons in dieser Stadt
managte, erklärte dieses Phänomen am Beispiel ihres Heimatortes. Demnach begehe
Clinton eigentlich keine gravierenden Fehler, es sei eher die neue Bewegung,
die Barack Obama ausgelöst habe, gegen die sich die Senatorin aus New York so
schwer tue.
Angesichts der
einsetzenden Rezession in den USA und der damit einhergehenden Erosion der
amerikanischen Mittelschicht, angesichts von Demokratieabbau, staatlich
legitimierter Folter und des Fiaskos im Irak sehnen sich viele US-Bürger nach
einem radikalen Umbruch, nach einem Neuanfang. Diese Hoffnungen werden oftmals
auf den Obama projiziert und Obama vermag es, diese Massenbewegung geschickt zu
kanalisieren. Auch finanziell schlägt der farbige Präsidentschaftskandidat alle
Rekorde. Allein im Februar konnte er 55 Millionen US-Dollar an Spenden
einsammeln, während Hillary Clinton nur 35 Millionen erhielt. Stolz betont
Obamas Wahlkampfteam, im Unterschied zu Clinton keine Spendengelder von
Lobbyisten entgegen zu nehmen. Eine der Grundaussagen seiner Wahlkampagne lautet,
daß Obama ein über den Partikularinteressen einzelner Lobbys und
Gesellschaftsgruppen stehender Politiker sei. Der von ihm versprochene Wechsel
soll sich allein an einem – nie genau definierten -Gemeinwohl orientieren.
Umso
erstaunlicher ist es, gerade die wirtschaftlichen Kräfte unter den größten
Unterstützern des "Kandidaten des Wechsels" zu finden, die für den
desaströsen Zustand der US-Ökonomie verantwortlich sind. Die ehemals an der
Wall Street tätige Journalistin Pam Martens beschrieb in einem Artikel für das
Nachrichtenportal Counterpunch das Geldkartell des Barack Obama, das
nun dessen Wahlkampf massiv fördert. Es sind Counterpunch zufolge
ausgerechnet die Schwergewichte unter den Finanzinstituten der Wall Street, in
denen man kaum farbige Mitarbeiter finde, die nun einen "Schwarzen
Mann" ins Weiße Haus bugsieren wollen. Unter den spendabelsten
Unterstützern des farbigen Kandidaten der Hoffnung und des Wechselns finden
sich solch illustre Finanzinstitute wie Goldman Sachs, UBS, Lehman Brothers, PG
Morgan, Citigroup, Morgan Stanley und Credit Suisse. Sieben von Obamas 14 wichtigsten
Spendern bestehen gerade aus diesen Wall Street Finanzinstituten, die laut
Martens für die Ausplünderung der öffentlichen Finanzen und das Desaster auf
den US-Immobilienmarkt verantwortlich sind. Hinzu kommen mit der Citadel
Investment Corporation ein Hedgefond sowie sechs einflußreiche, auf
Wirtschaftslobbyismus spezialisierte Anwaltskanzleien. Allein diese
"Wall-Street-Connection" pumpte bis zum 1. Februar 2008 an die 2,8
Millionen US-Dollar in die Wahlkampagne Obamas. Da individuelle Spenden an die
Kandidaten im Vorwahlkampf auf 2.300 Dollar begrenzt sind, wird in Unternehmen
sehr häufig die Praxis des "Bündelns" von Zuwendungen praktiziert. So
sammelten zum Beispiel bis Oktober 2007 die Angestellten der Investmentbank
Goldman Sachs 338.690 US-Dollar für Hillary Clinton und 360.328 US-Dollar für
Barack Obama, die dann gebündelt auf deren Wahlkampfkonten gingen. Ähnlich
großzügig zeigten sich andere Finanzgesellschaften und Versicherungen, die in
ihrer Spendenfreude keinen sonderlichen Unterschied zwischen Clinton und Obama
machen.
Der Beraterstab
Obamas läßt ebenfalls kaum einen radikalen Politikwechsel erwarten. Seine
Berater ließen keine Zweifel daran aufkommen, daß die Grundzüge der bisherigen
US-Politik unverändert auch unter einem Präsidenten Obama fortgeführt würden,
schreibt der US-Journalist Chris Floyd: "Er wird das fortführen, was Bush
tat, nur kompetenter, weniger radikal, mit einer größeren Rücksichtnahme auf
das langfristige Bestehen der gegebenen Machtstruktur."
Der
außenpolitische Berater des "Kandidaten des Wechselns" ist ein alter
Bekannter,: Zbigniew Brzezinski, der als nationaler Sicherheitsberater Jimmy
Carters in den 80ern islamische Extremisten in Afghanistan massiv militärisch
und finanziell förderte, um die Sowjetunion zu destabilisieren - darunter
befand sich auch Osama bin Laden.
Angesichts
seiner Spender etwas seltsam wirken die Attacken Obamas gegen die
Finanzinstitute, die unerfahrene, finanzschwache US-Bürger zur Aufnahme von
Subprime-Hypotheken köderten und so maßgeblich zur derzeitigen Krise auf dem
amerikanischen Immobilienmarkt beitrugen. Die Chefin der Finanzabteilung der
Wahlkampagne Obamas ist Penny Pritzker, ein Mitglied einer der reichsten
Familien der USA[1], die sich
gerade in den vergangenen Jahren durch den Handel mit Hypotheken eine goldene
Nase verdiente. "Einige Bankenexperten sind der Ansicht, den Pritzkers
[...] stehe ein herausragender Platz in der Geschichte des Hypotheken-Fiaskos
zu. Auch wenn sie der Präsidentschaftskandidaten jetzt öffentlich verteufelt,
werden die "Räuber", denen Obama die Verantwortung für seine Wahlkampffinanzen
übertrug, Floyds Ansicht nach auch die Kontrolle für den Staatshaushalt
übernehmen, sollte ihr Kandidat das Rennen machen.
Die bisher
publik gewordenen Positionen des stets um möglichst unverbindliche
Formulierungen bemühten Barack Obama lassen ebenfalls kaum einen spürbaren
Kurswechsel in der amerikanischen Politik erwarten. Man wisse eigentlich nichts
über Obama - außer, daß er beim Regieren "nichts unternehmen will, das
irgendwem irgendwie zu nahe treten könnte", spöttelte der Journalist Ben
Tripp in einer Analyse der irrationalen Hoffnungen, die Amerikas Linke in die
demokratischen Präsidentschaftskandidaten setzt.“
Teil 2 - Politisch denken
ist besser als wundern...
B. Ullrich
Wer die dem letzten Heft
beigelegte Broschüre „Geschichtsschreibung
zur Recht-Fertigung von Herrschaft“ bis zum Kapitel „Die Blutlinien
der Kreuzritter“ ab S. 75 gelesen hat, der wird sich über diese
„erstaunliche Unterstützung“ des Kandidaten Obama durch die Hochfinanz und
„Altmeister“ Brzezinski gewiß nicht wundern.
Angeblich soll
eine sog. Graswurzelbewegung, also eine Bewegung aus der Bevölkerung
heraus, dem Wahlkampf Obamas zum Erfolg verholfen haben. In der Chicago Tribune
vom 14. Mai 2007 lesen wir etwas ähnliches
über den Wahlkampf von Hillary Clinton: „In
an interview Sunday, J.B. Pritzker said he would become the national chairman
of Citizens for Hillary, a new campaign initiative that will be charged
with grass-roots outreach[2],
fundraising and policy matters.“
(In etwa: In einem Interview
am Sonntag sagte J.B. Pritzker, er würde der nationale Vorsitzende von Bürger
für Hillary werden, einer neuen Werbeinitiative, die mit noch mehr
Graswurzel, Wohltätigkeit und politischen Angelegenheiten angreifen wird)
Dieser J. B. Pritzker, der Hillary Clintons Wahlkampf
„von unten“ managt, ist der Bruder von Penny Pritzger, die den Wahlkampf von
Obama unterstützt. Die Pritzkers sind eine der reichsten Familien der USA, ihr
Vater gründete unter anderem 1957 die Hyatt-Hotelkette.
Es handelt sich also bei beiden Wahlkampagnen nicht
um „Graswurzelbewegungen von unten“, sondern um gezielte Unterstützung der
beiden demokratischen Kandidaten von ganz oben.
In Demokratien gibt es mehrere Schalthebel, durch
deren Betätigung plutokratische Wunschkandidaten „an die Macht“ gebracht
werden können. Die wichtigsten beiden sind die Medien, welche die Propaganda
steuern, sowie die Finanzierung der Wahlpropaganda. Ein geschickter Schachzug
war es, den unbekannten Obama zusammen mit der bekannten Ex-Präsidentengattin
Clinton ins Rennen zu schicken. Dadurch wurde Obamas Bekanntheitsgrad auf
unauffällige Weise enorm erhöht.
Es sollte sich doch niemand in den Gedanken
flüchten, daß eine „Bewegung von unten“ von den Plutokraten „übersehen“ oder
gar auf deren bewußte Steuerung verzichtet wird – siehe ATTAC. Noch eleganter
ist es natürlich, solche Bewegungen selbst ins Leben zu rufen. Das beste
Beispiel, wie man eine echte Volksbewegung unterwandert und bis zur
Unkenntlichkeit verbiegt, sind die „Grünen“. Und das abschreckendste wohl dazu!
Eines steht fest: Eine wirkliche Veränderung im
Sinne einer Verbesserung (für die US-Bevölkerung und für den Rest der Welt)
wird es auch nach dieser Wahl nicht geben, da nur die Personen auf der
Bühne ausgewechselt werden!
Heft „Der freie Mensch“abonnieren: info@wk-institut.de Kosten: 27 € für 6 werbefreie Ausgaben
mit je 88 Seiten A 5
[1] ...sowie des Council on Foreign
Relations CFR, Mitwirkende an folgenden Kampagnen: Bush-Cheney 2004,
Friends of Joe Lieberman, Friends of Hillary, George W. Bush for President,
Gore 2000 und nun Obama for America
(http://www.nndb.com/people/447/000122081/).
[2] schwierig zu übersetzen, evt. „Graswurzel übertreffen“, also noch mehr „Kampagne von unten aus der Bevölkerung“