Die
Bilderberger-Treffen – Nur ein politischer Stammtisch?
B. Ullrich
Eckard von
Klaeden, CDU-Abgeordneter, antwortete auf eine Anfrage der Weltnetz-Initiative
„Abgeordnetenwatch“ (nein, das kommt leider nicht von Watschen = Ohrfeigen,
sondern von engl. to watch = beobachten) wie folgt:
„Mich haben in
den letzten Wochen zahlreiche Anfragen zu meiner Teilnahme an der diesjährigen
Bilderberg-Konferenz erreicht, die ich wie folgt beantworte: Die
Bilderberg-Konferenz ist ein Treffen von Personen aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft und Medien aus den USA und Europa. Auf der Konferenz können sie ungehindert
und offen über aktuelle Probleme der Weltpolitik und –wirtschaft diskutieren. Daher
ist die Tagung auch vertraulich und findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit
statt. Dies ist die Vereinbarung unter allen Teilnehmern, die ich
nicht brechen werde. Es werden dort aber selbstverständlich keine Beschlüsse
gefaßt. Mich amüsieren die Unterstellungen und Spekulationen, die sich Jahr für
Jahr mit der Bilderberg-Konferenz verbinden. Nichts davon ist wahr. Meine
Teilnahme ist kein Privatvergnügen. Ich habe an der Konferenz zwar nicht als
offizieller Vertreter meiner Fraktion oder des Bundestages teilgenommen. Eine
solche offizielle Teilnahme kennt die Konferenz nicht, sie stände im
Widerspruch zu ihrem informellen Charakter, der Voraussetzung für die nahezu
einzigartige Gesprächsatmosphäre ist. Der Dialog und Meinungsaustausch auf
der Konferenz ist aber nichtsdestotrotz für meine Arbeit als Abgeordneter und
als außenpolitischer Sprecher meiner Fraktion sehr wertvoll.
Es gibt nach
meiner Erfahrung keine andere Konferenz, die den Dialog zwischen den
beteiligten Gruppen auf der einen und den transatlantischen Austausch auf der
anderen Seite in so hervorragender Weise ermöglicht wie die
Bilderberg-Konferenz. Dieses Gespräch wird ständig gefordert, der Mangel an
solchen Foren zu Recht immer wieder beklagt. Die mir entstandenen
Kosten wurden vom Deutschen Bundestag übernommen. Zu Ihrer weiteren
Information habe ich der Antwort die offizielle Presseerklärung zur
diesjährigen Konferenz angefügt. Mit freundlichen Grüßen“
Die
Presseerklärung vom 5. Juni 2008 überzeugt uns dann von der Harmlosigkeit
dieser alljährlichen Veranstaltung. Die Themenauswahl umfaßt so uninteressante
Dinge wie eine atomwaffenfreie Welt, die Beziehungen USA-EU, Rußland, Iran,
Islam, Pakistan und Afghanistan, Finanzen und Protektionismus (das ist, wenn
der Rest der Welt nicht mehr das machen will, was die USA wollen). Lauter
privates Geplauder, wie man es auch sonst von Klassentreffen und
Kaffeekränzchen kennt. Außer von Klaeden, der auch im Vorstand des politischen
Vereins Atlantik-Brücke sitzt, waren aus Deutschland noch – ganz privat,
versteht sich – Josef Ackermann (Dauerteilnehmer) und Joschka Fischer, Wolfgang
Ischinger (Cheflobbyist des Allianz-Konzerns), Matthias Naß (stellvertretender
Chefredakteur der ZEIT) und Volker Perthes (Stiftung Wissenschaft und Politik)
anwesend. Aus der großen weiten Welt waren anwesend: Verschiedene europäische
Minister, 4 EU-Kommissare, die Königinnen von Spanien und der Niederlande, aus
den USA David Rockefeller, Henry Paulson, Richard Perle, George P. Shultz, Ben
Bernanke, Henry Kissinger, Condoleezza Rice, Paul Wolfowitz und James
Wolfensohn als die bekanntesten Teilnehmer, dazu die übliche Garnitur aus
Industrie, Finanzen, Medien, Think-Tanks und Politik.
Wessen Meinung
nun von Klaeden nach diesem rein privaten Meinungsaustausch vertritt, wird sich
zeigen.