Die Überwachungsmafia – Das lukrative Geschäft mit unseren Daten
Pär Ström, Wilhelm Heyne Verlag 2003, aktualisierte Ausgabe 2006, TB 345 S. ISBN 3-453-62010-0
Wer von uns
braucht einen Kühlschrank, der meldet, daß man soeben die letzte Milchtüte
entnommen hat oder daß vom Käse hinten rechts in der Ecke das Verfallsdatum
ausläuft? Wer möchte einen Einkaufswagen vor sich herschieben, der uns aufgrund
des vorliegenden Kundenprofils auf „maßgeschneiderte Sonderangebote“ aufmerksam
macht? Fänden wir es in Ordnung, wenn uns im Falle einer versehentlichen
Geschwindigkeitsüberschreitung mit dem Wagen das fällige Bußgeld gleich vom
Konto abgebucht würde („allgegenwärtiger Gesetzesvollzug“)? Sollen wir uns über
Schnüffelprogramme im Auto freuen, die unseren Fahrstil aufzeichnen und analysieren,
diese Daten an die Versicherung weitersenden, die danach unsere Versicherungsprämie
ausrechnet? Was halten Sie von Geldscheinen, deren Weg aufgrund eines eingewebten
Chips von der Erstausgabe bis zum Einstampfen nachverfolgt werden kann? Werden
Computer- und Softwarehersteller gezwungen, Schlupflöcher mit einzubauen, durch
die Geheimdienste sich Zugang zu jedem Rechner verschaffen können? Wußten Sie
schon, daß die amerikanische Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (Federal Food
& Drug Administration) die Verwendung von sog. VeriChips im menschlichen
Körper genehmigt hat? D. h. solche Chips werden Menschen unter die Haut gepflanzt,
um Bewegungsprofile zu erstellen oder automatische Zugänge zu bestimmten Räumen
zu ermöglichen.
Daß unsere
Mobiltelefone unseren jeweiligen Standort verraten, hat sich schon herumgesprochen.
Nun arbeitet man daran, sämtliche Artikel, die wir einkaufen, mit RFID-Chips zu
versehen – als Strichcodeersatz -, welche durch geeignete Lesegeräte angepeilt
werden können. Wer Kleidungsstücke, welche solche Chips enthalten, mit der
Bankkarte bezahlt hat und diese Sachen beispielsweise auf einer Demonstration
trägt, der könnte von Polizisten mit Chiplesegerät einwandfrei identifiziert werden.
Kann jeder von
uns sicher sein, daß er sich 24 Stunden am Tag „normal“ verhält, und zwar so,
daß er nicht die Aufmerksamkeit elektronischer Überwachungsprogramme erregt?
Überall hinterlassen wir mittlerweile „digitale Fingerabdrücke“ – ob wir telefonieren,
im Weltnetz umhersausen, Rabattkarten von Unternehmen benutzen, Geld abheben,
uns im Bereich von Überwachungskameras bewegen oder mit Navigationsgerät
autofahren... die Tendenz geht dahin, immer mehr Überwachungstechnik anzuwenden
und - das ist die Hauptgefahr - die
dabei gewonnenen Aufzeichnungen miteinander zu vernetzen.
Der schwedische
Spezialist für Informationstechnologie Pär Ström hat mit seinem Buch „Die
Überwachungsmafia“ ein Standardwerk geschrieben, welches aufrüttelt und einen
umfassenden Überblick über alle bereits möglichen und in der Entwicklung
befindlichen Überwachungstechniken vermittelt. Er zeigt auf, wer alles daran
interessiert ist, möglichst viel über uns herauszufinden, mit welchen Mitteln
vorgegangen wird, aber auch, was wir tun können, um uns bestmöglich zu
schützen. Nicht nur im Mißbrauch von Daten durch Konzerne und Kriminelle liegt
eine große Gefahr für jeden Einzelnen von uns, sondern auch in der
Datenbegehrlichkeit staatlicher Kontroll- und Ermittlungsorgane. Besonders für
Kritiker und Gegner der Neuen Plutokratischen Weltordnung dürfte sich die
angeblich gegen Terroristen gerichtete Schnüffeltätigkeit der Staatsorgane als
elektronische Fußfessel erweisen, wenn nicht gar als Datenhalsstrick.
Der knechtische „Big
Brother“-Spruch „Ich habe ja nichts zu verbergen“ wird hier schnell zum
Bumerang, denn schon eine Namensgleichheit mit einem Kriminellen reicht völlig
aus, um als unerwünschte Person auf einer Liste zu landen oder einen roten
Reiter auf der Karteikarte zu bekommen. Und da ein „normales, unauffälliges“
Verhalten von niemandem objektiv festlegbar ist, läuft im Grunde jedermann
Gefahr, durch irgendein Raster zu fallen und staatssicherheitliche
Aufmerksamkeit zu erregen.