Saat der Zerstörung
Engdahl, F.
William, übersetzt von Dr. Helmut Böttiger
Die dunkle Seite der
Gen-Manipulation
Kopp Verlag 10/2006, Einband: Gebunden
284 S. mit Abbildung(en) ISBN:
978-3-938516-34-8
»Wir besitzen etwa 50 Prozent des Reichtums dieser
Welt, stellen aber nur 6,3 Prozent seiner Bevölkerung. Dieser Unterschied ist
im Verhältnis zwischen uns und den Völkern Asiens besonders groß. In einer
solchen Situation kommen wir nicht umhin, Neid und Mißgunst auf uns zu lenken.
Unsere eigentliche Aufgabe in der nächsten Zeit besteht darin, eine Form von
Beziehungen zu finden, die es uns erlaubt, diese Wohlstandsunterschiede ohne
ernsthafte Abstriche an unserer nationalen Sicherheit beizubehalten. Um das zu
erreichen, werden wir auf alle Sentimentalitäten und Tagträumereien verzichten
müssen; und wir werden unsere Aufmerksamkeit überall auf unsere ureigensten,
nationalen Vorhaben konzentriert müssen. Wir dürfen uns nicht vormachen, daß
wir uns heute noch den Luxus von Altruismus und Weltbeglückung leisten
könnten.«
George Kennan, Chefplaner im US-Außenministerium, 1948
Dieses Buch handelt von den Vorhaben einer kleinen Machtelite,
deren Zentrum nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in London, sondern in
Washington liegt. Es handelt von der bisher noch nicht erzählten Geschichte,
wie diese selbsternannte Elite es geschafft hat - mit Ken-nans Worten -, »die
Wohlstandsunterschiede beizubehalten«. Das Buch erzählt, wie eine verschwindend
kleine Minderheit die Rohstoffe und die Hebel der Macht in der Nachkriegswelt
für sich behaupten konnte.
Es ist vor allem die Geschichte, wie sich die Machtausübung unter
der Kontrolle weniger Auserwählter entwickelt hat, wobei sogar die Wissenschaft
in den Dienst dieser Minderheit gestellt wurde. Wie Kennan in seinem internen
Memorandum von 1948 es empfohlen hat, verfolgten sie ihre Politik unnachgiebig
und ohne den »Luxus von Altruismus und Weltbeglückung«.
Im Gegensatz zu ihren Vorgängern in den führenden Kreisen des
Britischen Empires verstand es die aufsteigende amerikanische Elite, die zu
Kriegsende stolz das Dämmern ihres »Amerikanischen Jahrhunderts verkündete,
meisterlich, auf der Klaviatur von Altruismus und Weltbeglückung zu spielen, um
ihre Ziele zu verfolgen. Ihr Amerikanisches Jahrhundert stellten sie als ein
erträglicheres Reich zur Schau, als ein »freundlicheres und milderes«. Unter
dem Banner der kolonialen Befreiung, Freiheit, Demokratie und
Wirtschaftsentwicklung haben jene Elitekreise ein Machtgefüge errichtet, wie es
die Welt seit den Zeiten Alexanders des Großen um 300 vor Christus nicht mehr
gesehen hat - ein Weltreich, vereint unter der militärischen Kontrolle einer
einzigen Supermacht, die nach Lust und Laune über das Schicksal ganzer Nationen
entscheiden kann.
Dieses Buch ist die Fortsetzung eines ersten Bandes Mit der
Ölwaffe zur Weltmacht. Es verfolgt einen zweiten, dünnen roten Faden der
Macht. In diesem Fall ist es die Kontrolle über die eigentliche Grundlage des
menschlichen Überlebens, über das tägliche Brot. Der Mann im Dienst der
Interessen der Machtelite in den Nachkriegs-USA während der 1970er Jahre, der
zum Symbol ihrer harten Realpolitik wurde, Außenminister Henry
Kissinger, ließ irgendwann Mitte des 1970er Jahrzehnts die folgende Bemerkung
fallen. Zuvor sei noch bemerkt, Kissinger war zeitlebens Schüler von Lord
Palmerston und Castlereagh im England des 19. Jahrhunderts und Anhänger des
geopolitischen Konzepts vom »Machtgleichgewicht«; er war jemand, der mehr als
ein gerüttelt Maß an Verschwörungen unter seinem Mantel verbarg. Für die Pläne
zur Erringung der Weltherrschaft steht seine Bemerkung:
»Wer das Öl kontrolliert, der kontrolliert ein Land; wer die
Lebensmittel kontrolliert, kontrolliert das Volk.«
Die Wurzeln des strategischen Ziels, die Lebensmittelversorgung
dieses Planeten unter Kontrolle zu bringen, reichen Jahrzehnte zurück, und
zwar bis in die späten 1930er Jahre vor Kriegsbeginn. Die Zielsetzung stützte
sich - ohne daß man groß Notiz davon nahm - auf ausgesuchte private Stiftungen,
die eigens zu dem Zweck geschaffen worden waren, auf Dauer die Macht und den Reichtum
einer Handvoll amerikanischer Familien zu sichern.
Ursprünglich hatten die Familien ihren Reichtum und ihre Macht in
New York und entlang der Ost-Küste der Vereinigten Staaten von Boston über New
York, Philadelphia bis Washington, D. C, konzentriert. Aus diesem Grund wurden
sie in den Massenmedien manchmal höhnisch, öfters aber auch mit an Ehrfurcht
grenzender Hochachtung als »Ost-Küsten-Establishment« angesprochen.
Da sich der Schwerpunkt der amerikanischen Macht in den Nachkriegsjahrzehnten
verlagerte, war der Begriff »Ost-Küsten-Establishment« bald nicht mehr ganz
zutreffend. Die Elite konzentrierte ihre Macht nun, da sich die Tentakeln der
amerikanischen Machtausbreitung nach Asien und Japan ebenso wie nach Süden über
die Nationen Lateinamerikas vortasteten, an der Pazifikküste von Seattle bis
Südkalifornien und von Houston bis Las Vegas sowie in Richtung Atlanta und
Miami.
In den Jahrzehnten vor und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde vor allem eine Familie zum Symbol des Hochmuts und der Arroganz des
aufkommenden Amerikanischen Jahrhunderts. Nicht zufällig wurde das riesige
Vermögen dieser Familie durch das Blut vieler Kriege erbaut und beruhte auf der
Kontrolle über das neue »schwarze Gold«, das Öl. .
Das Ungewöhnliche an der Familie war die Tatsache, daß die Patriarchen
dieses Vermögens und die Berater, die sie bestellt hatten, um ihren Reichtum
auf ewig zu sichern, schon frühzeitig beschlossen hatten, ihren Einfluß
auszuweiten. Sie versuchten nicht nur, das Öl, die aufkommende neue
Energiequelle für den Fortschritt der Weltwirtschaft, unter Kontrolle zu
bekommen. Sie beschlossen auch, ihren Einfluß über die Erziehung der Jugend,
über das Gesundheitswesen einschließlich der Psychologie, über die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten auszudehnen, und auch - das ist für unsere Geschichte
hier wichtig - über die Wissenschaft vom Leben selbst, über die Biologie und
ihre Anwendungen im Bereich der Pflanzenzucht und Landwirtschaft.
Im großen und ganzen blieben ihre Bemühungen der breiteren
Bevölkerung, besonders in den Vereinigten Staaten, verborgen. Nur wenige
Amerikaner waren sich bewußt, wie ihr tägliches Leben allmählich - und
manchmal auch gar nicht so allmählich - durch das eine oder andere Projekt, das
aus dem riesigen Reichtum dieser Familie finanziert worden war, beeinflußt
wurde.
Im Laufe der Nachforschungen für dieses Buch, ein Buch, das
ursprünglich Genetisch Veränderte Organismen oder, auf Englisch, GMO zum
Gegenstand haben sollte, wurde immer klarer, daß die Geschichte der GMO sich
nicht von der politischen Geschichte jener Familie, nämlich der Familie Rockefeller
und der vier Brüder David, Nelson, Laurance und John D. III., trennen ließ. Sie gab in den drei Jahrzehnten,
die dem amerikanischen Sieg in Zweiten Weltkrieg folgten, der Machtentfaltung,
über die George Kennan 1948 gesprochen hatte, ihre wirkliche Gestalt.
Die Geschichte der GMO ist im eigentlichen Sinne die Geschichte
der Machtkonzentration in den Händen einer Elite, die fest entschlossen ist,
die ganze Welt um jeden Preis ihrem Zepter zu unterwerfen.
Vor drei Jahrzehnten gründete sich die Macht auf diese eine
Familie Rockefeller. Bis heute sind drei der vier Brüder verstorben, einige
unter seltsamen Umständen. Allerdings hat sich ihrem Wunsch gemäß ihr Projekt
der Weltbeherrschung, der »Herrschaft auf der ganzen Linie«, wie es das
Pentagon später nannte, ausgeweitet. Das geschah oft mit den Phrasen von
»Demokratie und Freiheit«, manchmal half - wenn nötig - die nackte Militärmacht
des Reiches. Ihr Projekt gedieh so weit, daß in den ersten Jahren des neuen
Jahrhunderts eine kleine Machtgruppe, nominell mit Sitz in Washington, in der
Lage war, das gegenwärtige und künftige Leben auf diesem Planeten zu einem
Grad zu beherrschen, der zuvor noch nie zu erträumen war.
Die Geschichte der Gentechnologie und des Patentierens von Pflanzen
und lebenden Organismen kann nicht ohne die Geschichte der Ausbreitung des
Amerikanischen Jahrhunderts eines George Kennan, Henry Luce, Averell Harriman
und, vor allem, der fünf Rockefeller-Brüder in jenen Jahrzehnten der
Nachkriegszeit verstanden werden. Sie schufen das Konzept des »multinationalen
Agribusiness« (Agrargeschäfts), sie finanzierten die »Grüne Revolution« im
Agrarbereich der Entwicklungsländer, um unter anderem neue Märkte für ihre
petrochemischen Düngemittel und Erdölerzeugnisse zu schaffen. Dies und die
fortschreitende Abhängigkeit von ihren Energieerzeugnissen war und ist
untrennbar mit der Geschichte der genetisch veränderten Feldfrüchte von heute
verbunden.
In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts wurde klar, daß nicht
mehr als drei oder vielleicht vier riesige, internationale Chemie-Unternehmen
als globale Spieler im Ringen um die Kontrolle über die Patente zur Erzeugung
der wichtigsten Grundnahrungsmittel, von denen die Ernährung der meisten
Menschen der Welt abhing, übrig geblieben waren. Zu den Nahrungsmitteln zählen
Mais, Sojabohnen, Reis, Weizen und möglicherweise neue Züchtungen eines
krankheits- resistenten Geflügels, das genetisch so verändert war, daß es
angeblich selbst gegen das tödliche H5N1-Vogelgrippe-Virus immun ist. Drei der
vier privaten Gesellschaften pflegten über Jahrzehnte hinweg enge Beziehungen
zur Forschung an chemischen Kampfstoffen des Pentagon. Das vierte Unternehmen,
nominell in Schweizer Hand, war in Wirklichkeit britisch dominiert. Wie beim
Öl, so waren die GMO weitgehend ein anglo-amerikanisches Projekt für die Welt.
Im Mai 2003, noch bevor sich der Staub über der rücksichtslos von
den USA bombardierten und zerstörten Stadt Bagdad gelegt hatte, erhob der
Präsident der Vereinigten Staaten GMO zur strategischen Aufgabe und räumte ihr
Priorität in der US-Außenpolitik nach seinem Krieg ein. Der sture Widerstand
des zweitgrößten Agrarproduzenten der Welt, der Europäischen Union, stand als
feste Barriere dem globalen Erfolg des GMO-Projektes im Weg. Solange sich
Deutschland, Frankreich, Österreich, Griechenland und andere EU-Länder aus gesundheitlichen
und wissenschaftlichen Gründen hartnäckig weigern, den Anbau von GMO zuzulassen,
dürften die übrigen Nationen der Welt skeptisch und unschlüssig bleiben. 2006
hat die Welthandels-Organisation in der EU die Tür zur massenhaften Anwendung
von GMO gewaltsam aufgestoßen. Der weltweite Erfolg des GMO-Projekts schien
damit zum Greifen nah zu sein.
Im Zug der militärischen Besetzung des Irak durch die USA und
Großbritannien machte sich Washington daran, die Landwirtschaft des Irak zur
Domäne des patentierten, genetisch veränderten Saatguts zu machen. Dieses wurde
vom US-Außen- und US-Landwirtschaftsministerium anfänglich großzügig zur
Verfügung gestellt.
Die ersten Großversuche mit GMO-Saatgut fanden allerdings schon
eher, in den frühen 1990er Jahren, in einem Land statt, dessen Elite seit
langem der Rockefeller-Familie Untertan und den New Yorker Banken verbunden
war, nämlich in Argentinien.
Die folgenden Seiten gehen der Ausbreitung oder
Weiterverbreitung von GMO nach, die oft mit politischer Nötigung, Druck auf
Regierungen, Betrug, Lügen und sogar Morden einherging. Wenn sich dies manchmal
wie eine Kriminalgeschichte liest, sollte das nicht überraschen. Es ist eine.
Das Verbrechen wird im Namen der landwirtschaftlichen Leistungssteigerung, der
Umweltfreundlichkeit und der Lösung des Welthungerproblems begangen; es gilt
aber einem Vorhaben, das für jene kleine Machtelite weit wichtiger ist.
Das Verbrechen dreht sich nicht um Geld oder Profit. Diese mächtigen
privaten Familien entscheiden immerhin, wer jeweils die Federal Reserve, die
Bank of England, die Bank of Japan oder sogar die Europäische
Zentralbank unter Kontrolle hält. Sie haben das Geld in Händen, entweder um zu
zerstören oder zu schaffen.
Das Verbrechen zielt auf die letztinstanzliche Kontrolle über das
künftige Leben auf diesem Planeten, eine Macht, von der frühere Diktatoren und
Despoten nur geträumt haben. Wenn sie nicht aufgehalten wird, ist die heutige
Elite hinter dem GMO-Projekt vielleicht nur noch zwei Jahrzehnte davon
entfernt, die totale Kontrolle über die Nahrungsmittelerzeugung auf der Erde
auszuüben. Es ist unbedingt nötig, daß diese Seite der GMO-Geschichte zur
Sprache kommt. In der Hoffnung, daß der Leser das auch so sieht, lade ich ihn
ein, das Folgende sehr sorgfältig zu lesen und unabhängig selbst zu überprüfen.
F. William Engdahl, im September 2006