Der nachfolgende Aufsatz wurde im Jahr 1968 verfaßt, anläßlich der
Prüfung zur Hauswirtschaftsmeisterin
Kann der Hausfrauenberuf heute noch befriedigen?
G. Hoffmann, Jahrgang 1922
Voraussetzung ist, daß die
Arbeit der Hausfrau anerkannt wird. Wenn auch das Gesetz heute all die
Hausfrauenarbeit schützt, so liegt das Problem doch mehr in der Familie selbst.
Kein Mensch wird Befriedigung in seinem Beruf finden, wenn er bei seinen Mitarbeitern
oder Vorgesetzten nur auf Ablehnung stößt und nie ein Lob findet. So wird auch
die Hausfrau mit viel mehr Liebe arbeiten, wenn die Familie ihre Arbeit
schätzt.
Eine weitere Voraussetzung
ist die finanzielle Bewegungsfreiheit. Die Hausfrau soll die Mitentscheidung
über die Aufteilung des Einkommens haben. Es gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit
und der Gleichberechtigung. Vertrauen ist ja die Grundlage einer guten Ehe. Wie
oft hört man, daß ein Mann seiner Frau gar nicht sagt, wieviel er verdient. Sie
bekommt ein oft nicht mal ausreichendes Wirtschaftsgeld und unterscheidet sich
so kaum von einer bezahlten Haushälterin.
Sehr wichtig ist, daß der Arbeitstag der Hausfrau, genau wie jeder
andere Arbeitstag, das richtige Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit
hat.
Die Hausfrau von heute hat es in vieler Beziehung besser als
unsere Großmütter. Diese mußten noch von morgens bis abends im Haushalt
arbeiten. Ein Waschtag dauerte z.B. mindestens 48 Stunden. Es blieb kaum Zeit
für geistige Interessen. Ihre Welt endete praktisch an der Haustür. Selbst
unsere vorige Generation hatte es noch schwerer als wir.
Uns Hausfrauen von heute stehen für alle Arbeiten technische Hilfsmittel
zur Verfügung. Auch bietet der Markt immer neue und bessere Reinigungsmittel
an. All dies spart Zeit und Kraft und gibt uns Gelegenheit, uns mehr der Familie
zu widmen. Wir haben bei richtiger Einteilung Zeit, uns geistigen Dingen zu
widmen oder unsere Hobbys zu pflegen.
Eine kluge Frau wird sich auch mit den Berufsfragen des Mannes
beschäftigen. Durch diese gemeinsamen Interessen nimmt die Frau viel mehr am
Leben ihres Mannes teil, das sich ja zum größten Teil außerhalb der Familie
abspielt. Eine Frau, die nie Interesse für die Welt des Mannes zeigt, kann
nicht erwarten, daß er an ihrer Arbeit interessiert ist.
Durch geschickte Zeiteinteilung kann sich auch die
vielbeschäftigte Hausfrau nachmittags ein paar Stunden für die Kinder freimachen.
Wenn sie klein sind, wird sie gerne mit ihnen spielen oder spazieren gehen,
wenn sie größer sind, wird sie sich um ihre Schularbeiten und ihre kleinen
Sorgen kümmern. Die Erziehung der Kinder zu tüchtigen, gemeinschaftsfähigen
Menschen ist wohl eins der schönsten, interessantesten, aber auch schwersten
Aufgabengebiete einer Hausfrau und Mutter.
Es gibt keinen Beruf, der so vielseitig ist, wie der
Hausfrauenberuf. Er umfaßt eine ganze Reihe von Berufen und man erwartet von
der Hausfrau, daß sie diese alle beherrscht. Es gehört viel Kraft,
Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit und praktisches Können dazu, all diese
Berufszweige auszuüben.
Die Hausfrau von heute kann
durchaus in ihrem Beruf zufrieden sein, sie müßte es sogar unter allen
Umständen, wenn die Einstellung der Familie zu ihrer Hausfrauenarbeit positiv
ist. Denn welche Arbeit könnte mehr befriedigen, als die Sorge für das Wohl der
Menschen, die uns am nächsten stehen?